Herbert und Gerhard Blum für Lebenswerk ausgezeichnet: Ausbildung, Innovation und solide Finanzpolitik.

DasVorarlberger Wirtschaftsforum war am Donnerstag zum siebten Mal Schauplatz füreine ganz besondere Auszeichnung. Die Industriellenvereinigung Vorarlberg, dieWirtschaftskammer Vorarlberg unddie Vorarlberger Nachrichten haben den „Ehrenpreis der Vorarlberger Wirtschaftfür das unternehmerische Lebenswerk“ an die langjährigen Geschäftsführer desgrößten Vorarlberger Arbeitgebers, der Firma Blum,  Herbert und Gerhard Blum, überreicht.

Von denBesten lernen

VN-HerausgeberEugen. A. Russ erläuterte in seiner Laudatio auf die langjährigenGeschäftsführer des Höchster Beschlägeherstellers Blum,  die Intention desvor sieben Jahren erstmals vergebenen Preises. „Wenigen Menschen in derWirtschaft gelingt es, in ihrer Schaffensphase ein Unternehmen, wie es Herbert und Gerhard Blum gelungen ist,nicht nur zu führen, sondern kontinuierlich weiterzuentwickeln.“ „Was motiviertmehr, als erfolgreiche Beispiele ins Rampenlicht zu rücken?“ Herbert und Gerhard Blum sind zweeiVorzeigeunternehmer, die gezeigt haben, was in einem Familienunternehmensteckt, die im Gegensatz zu Exitstrategien von Heuschrecken in Generationendenken“, so Russ.

Bei denKriterien für diesen Preis wird auf den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg, dievorbildliche Unternehmenskultur, die Treue zum Standort Vorarlberg und die Einzigartigkeit desLebenswerks der geehrten Person Bedacht genommen. Die Wahl fiel heuer aufHerbert und Gerhard Blum,die Russ in der Laudatio als Unternehmer mit Weitblick und sozialem Engagement bezeichnete.

Zurecht,denn das Lebenswerk der beiden Eigentümer der Firma Blum ist beeindruckend,„Sie haben das von ihrem Vater vor 69 Jahren gegründete Unternehmenkontinuierlich zum Weltmarkt- undTechnologieführer in der Branche weiterentwickelt“, sagte Russ über dieheurigen Preisträger, bevor die Werkstattbühne zum Kino wurde. Marion Flatz vomORF Vorarlberg hat zur Verleihung des Lebenswerkpreises ein filmisches Porträtder Geehrten produziert, in dem Wegbegleiter zu Wort kommen und die beiden Brüder auf ehrlicheund unterhaltsame Weise sichgegenseitig porträtierten.

Von den rund500 Teilnehmern des Vorarlberger Wirtschaftsforums wurde die Auszeichnung fürdie Brüder Herbert undGerhard heftig beklatscht. Im Interview mit ZiB-Moderatorin Nadja Bernharderzählten die Industriellen über seine Einstellung zur Arbeit, entscheidendeMomente im Berufsleben sowie schwierige Situationen und weitreichende Entscheidungen, die nicht immerwirklich einfach waren, aber die Firma Blum zu dem gemacht haben, was sie heuteist, Weltmarktführer undArbeitgeber von 8500 Mitarbeitern weltweit, davon 6300 in Vorarlberg. Nur zuetwas wollte Gerhard Blum nichts mehr sagen – zur Politik allgemein und zur Wirtschaftspolitik.

Als diebeiden Brüder im Jahr 1982 die Geschäftsführung zusammen mit Bertl Widmerübernahmen, hatte das Unternehmen einen Jahresumsatz von 1,02 Mrd. Schilling(74,13 Mill. Euro), heute beträgt der Jahresumsatz 1,9 Milliarden Euro.Inzwischen sind die Söhne der beiden mit dem Lebenswerkpreis geehrtenUnternehmer, Philipp undMartin Blum, an der Spitze von Blum undführen das Werk ihrer Vorgänger weiter.

Größter Lehrlingsausbilder

DieErfolgsfaktoren, die schon den Gründer Julius Blum angetrieben haben und seine Söhne konsequentweiterverfolgt haben, sind zuerst die Mitarbeiter. Das Unternehmen ist nichtnur der größte Arbeitgeber im Land, sondern zählt seit Jahren auch zu denbeliebtesten, was sich auch in Zeiten des Mitarbeitermangels auszahlt. Die Sozialleistungenund das Betriebsklima machenneben der guten Bezahlung die Attraktivität des Unternehmens aus. Nicht zuvergessen: Blum ist „der“ Ausbildungsbetrieb nicht nur im Land, sondernösterreichweit undinternational. Derzeit werden rund 370 Lehrlinge auf höchstem Niveauausgebildet.

„Schonunserem Vater war das größte Anliegen, vertrauensvolle und selbstständige Arbeitnehmer zu haben, daher legenwir auch viel Wert auf eine Topausbildung und Motivation unserer Mitarbeiter“, so Herbert Blum. Wie topdie Ausbildung ist, belegen die zahlreichen Medaillen, die Blum-Mitarbeiter vonBerufsolympiaden, World- undEuroskills nachhause gebracht haben undweiterhin bringen. Viele der ehemaligen Lehrlinge  – rund 60 Prozentbleiben der Firma im weiteren Arbeitsleben treu – nehmen führende Positionen imBetrieb ein, der 28 Tochterunternehmen weltweit betreibt und in über 120 Ländern präsentist.

DieseMitarbeiter sind es auch, die der Blum-Philosophie Leben einhauchen, demglobale Kundennutzen. „Wir bedienen einerseits den Möbelhersteller, aber auchden Handel und dieEndverbraucher, das heißt, dass wär mit neuen Ideen auch gleichzeitig dieUmsetzung mitliefern, dem Hersteller unddem Handel fertige Lösungen bringen, dem Endverbraucher praktischen Nutzen“,erklärt Gerhard Blum diese Handlungsanleitung. Wie ernst das genommen wird,zeigt sich in der Innovation, die zur Blum-DNA gehört. 2100 Patente hält dasUnternehmen – viele Entwicklungen haben internationale Trends gesetzt und wurden auch – z. B. vomEuropäischen Patentamt – auch mit Preisen ausgezeichnet. Die ständigeEntwicklung von Neuprodukten sichert die Marktposition des HöchsterUnternehmens.

„Globaler Kundennutzen“

DieBlum-Produkte sind seit vielen Jahren „Trendsetter“ auf den Gebieten derInnovation, Funktion, Ergonomie sowie Design und Emotionen. Es sind Beschlägesysteme, die demMöbelhersteller, dem Möbelhandel, dem Möbelmonteur sowie dem Küchennutzergleichermaßen Nutzenvorteile, den bei Blum so genannten „GlobalenKundennutzen“, bringen. Schwerpunktbereiche sind Klappensysteme,Möbelscharniersysteme, Schubkasten- undAuszugssysteme.

Dieweltweite Präsenz sorgt auch grundsätzlich für Stabilität, die – außer imvergangenen Coronajahr – auch eine Risikostreuung ermöglicht. AlsFamilienunternehmen haben die mit dem Lebenswerkpreis geehrten Brüder Gerhard und Herbert auch in den fast 30Jahren, die sie das Unternehmen führten, eine konservative und damit vorsichtigeFinanzpolitik bei Blum etabliert. „Der Großteil der Gewinne verbleibt imUnternehmen und wirdreinvestiert. Heuer sind das 259 Millionen Euro Das kommt vor allem demStandort Vorarlberg zugute. Inzwischen betreibt Blum acht Werke in Vorarlberg,drei weitere Produktionsstandorte gibt es in den USA, Brasilien und Polen. In China ist einelokale Montage und einautomatisches Hochregallager in Umsetzung.

DerBeschlägehersteller ist stabil aufgestellt und das seit der Gründung. Auch in schwierigen Zeiten und in Krisen ist das Unternehmengewachsen – auch deshalb, weil man sich auf die Kernprodukte und damit auf wenigeGeschäftsfelder undBranchen, nämlich die Möbelindustrie unddas Tischlerhandwerk konzentriert. In den verschiedenen Krisen der letztenJahre haben sich die von Herbert undGerhard Blum verfolgten Ziele bewährt.  Es gab keine betriebsbedingtenKündigungen. Von der Jury wurde auch ein Thema angesprochen, das die BrüderBlum nicht an die große Glocke hängen – das soziale und gesellschaftliche Engagement. Bereit seitJahrzehnten gibt es eine enge Zusammenarbeit mit Sozialunternehmen wie derKaplan Bonetti-Stiftung, in Höchst hat das Unternehmen mit dem Kindercampus einProjekt gestartet, das sich an alle Familien richtet,Sozialorganisationen  und-aktionen, darunter auch „Ma hilft“ werden regelmäßig seit vielen Jahren mithohen Beträgen unterstützt.

Gesellschaftliche Notwendigkeit

Wie hochdiese Beträge sind, bleibt in der Familie, das Engagement ist für die Brüdereine „gesellschaftliche Notwendigkeit“.  Der Dank der Empfänger ist ihnengewiss.

Unternehmen

  • Gegründet 1952 von Julius Blum
  • Eigentümer Familie Blum
  • Geschäftsführung Philipp Blum, Martin Blum
  • Mitarbeiter 8787 weltweit, 6551 in Vorarlberg
  • Umsatz 2020 2,377 Mrd. Euro
  • Investitionen 2021 259 Millionen Euro
  • Produktionsstätten 8 in Vorarlberg, je eine in den USA, Brasilien und Polen

Zu den Personen

Herbert Blum

Geboren 6. 8. 1950
Ausbildung Volksschule Höchst, Hauptschule Lustenau, HTL Bregenz, Studium Wirschaftsingenieur Maschinenbau TU Graz
Laufbahn Start bei Hilti Schaan in verschiedenen Bereichen, ab 1979 Assistent der Geschäftsleitung bei Fa Blum, 1983 Bereichsleiter Produktion und Geschäftsführung zusammen mit Gerhard Blum und Bertl Widmer, 2014 Pensionierung und Wechsel in die Blum Group Holding, derzeit Vorsitzender des Aufsichtsrates der Julius Blum GmbH
Hobbys Segeln, Skifahren, Bergwandern, Enkel

Gerhard E. Blum

Geboren 14.9.1954
Ausbildung Volksschule Höchst Gymnasium Feldkirch, HAK Bregenz, Betriebswirtschaftsstudium Innsbruck
Laufbahn 1979 Ausbildung bei Fa. Blum, 1981-1988 Geschäftsführer Blum USA, 1983-2019 Geschäftsführer Blum-Gruppe
Hobbys Familie, See und Skifahren

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