Schon zum vierten Mal wird am Wochenende im Kunstareal groß gefeiert. Doch wie entwickelt sich das Viertel um die Pinakotheken?

Zwischen Königsplatz und Kunstakademie, Luisen- und Ludwigstraße ballt sich im Kunstareal Weltklasse – in den Museen, Hochschulen und Kulturinstituten. Das alles sinnvoll zu vernetzen, ist nicht ganz einfach. Aber dringend nötig, wenn Münchens Kunstareal für Besucher und Einheimische auch wirklich Weltklasse sein will. Mit dem Vorsitzenden des Förderkreises Kunstareal haben wir über Rennstrecken und Liegestühle gesprochen, über schwierige Verbindungen und Sexappeal.

AZ: Herr Redlich, beim Kunstareal-Fest wird zwei Tage Miteinander demonstriert. Wie schaut’s an den restlich 363 Tagen im Jahr aus?
GUIDO REDLICH: Da funktioniert das schon auch, es gibt viele Tage mit 40 und mehr Veranstaltungen. Ich würde aber gerne kurz zurückspringen. Vor zehn Jahren waren keineswegs alle von der Idee eines vernetzten Kunstareals begeistert. Bei der ersten Konferenz im April 2009 haben manche Institutionen „Gleichmacherei“ befürchtet. Man musste also Vertrauen aufbauen, gemeinsame Projekte initiieren. Heute ist der intensive Austausch unter den Häusern selbstverständlich. Dass das so bleibt und noch besser wird, dafür sind die 363 anderen Tage im Jahr notwendig.

Mit der Gemeinsamkeit hapert es aber manchmal in einem einzigen Gebäude. Das Bauhaus-Jahr wäre doch eine schöne Gelegenheit gewesen, gerade in der Pinakothek der Moderne das kürzlich erst beschworene neue Miteinander mit einer Ausstellung vorzuführen.
Ich bin zuversichtlich, dass es künftig gemeinsame Aktivitäten gibt. Zum Beispiel wird die Rotunde jetzt im Wechsel von allen vier Museen bespielt. Zurzeit ist dort das „Pendulum“ von Ingo Maurer zu sehen. Im Kunstareal muss man aber größer denken. Nehmen Sie etwa Joseph Beuys. Es gibt Werke im Lenbachhaus und in der Pinakothek der Moderne, da wären hausübergreifende Führungen wünschenswert – zum Beispiel mit einer App. Auch deshalb haben wir dafür gekämpft, dass es eine permanente Geschäftsstelle des Kunstareals gibt. Aber wenn Ausstellungen oder gemeinsame Konzepte entwickelt werden sollen, reichen weder die finanziellen Mittel, noch das Personal.

Wäre es nicht sinnvoll, aus der Geschäftsstelle auch eine erste Informations- und Anlaufstelle für die Besucher zu machen?
Ja. Wir wünschen uns eine Art Startpunkt im Kunstareal. Etwa auf der Fläche der nicht vollendeten Pinakothek der Moderne oder an der Mensa der TU. Ob das personell an der Geschäftsstelle hängen muss, ist eine andere Frage. Die sollte sich um Themen wie die Orientierung im Areal kümmern, um das Programm oder die Kommunikation. Ein Besucherzentrum wäre etwas, das die Geschäftsstelle initiieren und unterstützen sollte. Den Betrieb müsste dann allerdings ein eigenständiges, geschultes Team übernehmen.

Außer Informationen könnte ein solcher Ort doch noch mehr bieten.
Natürlich, wir hätten dort gerne auch Ausstellungsflächen, Raum für Events, Diskussionen, Symposien, Experimente. Das muss mit Leben gefüllt werden. Denken Sie an das Eingangsgebäude auf der Berliner Museumsinsel, das David Chipperfield entworfen hat. Nun kann man Berlin nicht mit München vergleichen, die Museumsinsel hat einen Zugang, das Kunstareal ist offen und mit seiner Mischung aus Kunst, Kultur und Wissenschaft gar nicht zu vergleichen. Aber wir müssen neben dem Inhaltlichen auch infrastrukturell denken. Und das ist nicht aus der Portokasse zu bezahlen.

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