Auf Vorarlbergs Straßensind immer mehr E-Autos unterwegs. Das bedeutet auch, dass es immer öfter zuVorfällen mit den elektrisch betriebenen Fahrzeugen kommen kann.

Die Feuerwehr istvorbereitet. „Wir halten seit vielen Jahren die Augen offen und gehen gezieltmit Schulungsangeboten auf die Feuerwehren zu“, sagt Thomas Brugger,E-Fahrzeugexperte beim Landes-feuerwehrverband (LFV) Vorarlberg.

Bislang wurden im Land viergrößere Ereignisse mit E-Autos verzeichnet. Im November 2020 brannte es ineiner Tiefgarage in Hard. „Nachdem die Brandbekämpfung durchgeführt war, hatman festgestellt, dass auch ein Hybrid-Fahrzeug in Mitleidenschaft gezogenwurde“, schildert Brugger.  Im Februar2021 schaffte es der Fahrer eines Renault Zoe gerade noch aus dem Ambergtunnelheraus, ehe das Fahrzeug in Flammen aufging und ausbrannte. Im März 2021 gerietein Hybrid-BMW in Lustenau in Brand. „Das Fahrzeug war beim Laden und hat zumBrennen begonnen. Der Einsatz hat hohe Wellen geschlagen. Es wurde in ganzÖsterreich darüber berichtet“, erinnert sich Brugger. Der bislang letztegrößere Vorfall in Vorarlberg ereignete sich im April 2021, als in Gaißau einElektrofahrzeug durch die Wärmestrahlung eines Wohnhausbrandes Feuer fing. 

Thermisch isoliert

Grundsätzlich, sagt Thomas Brugger,seien E-Fahrzeuge sehr sicher gebaut. „Der Akku ist in der Karosserie soeingebaut, dass er rundum geschützt ist, er befindet sich in einem Gehäuse, dassehr robust ist, er ist thermisch isoliert. Bei einer Hitzeeinwirkung von außendauert es eine Zeit, bis der Akku betroffen ist“, betont der Experte undverweist auf das Forschungsprojekt „BRAFA – Brandauswirkungen von Fahrzeugenmit alternativen Antriebs-systemen“, das erst kürzlich von der TU Graz, derMontanuniversität Leoben, dem Bundesfeuerwehrverband und anderenProjektpartnern durchgeführt wurde.

Was passiert genau, wennE-Fahrzeuge im Tunnel brennen? Und wie löscht die Feuerwehr ein brennendesE-Fahrzeug im Tunnel am effizientesten? „Man hat verschiedene Fahrzeugeangezündet und festgestellt, dass in den ersten zehn Minuten der Akku nur einemarginale Temperaturerhöhung zeigt. Es passiert also genau gar nichts“,berichtet Brugger. Ähnliche Erfahrungen haben die Einsatzkräfte auch kürzlichbei einem Verkehrsunfall gemacht, bei dem ein Elektroauto über eine Böschungstürzte. „Auch da haben wir festgestellt, dass der Akku nichts hat“, führt eraus. Sobald ein Akku allerdings brennt, wird es brenzlig.

Chemische Reaktionen

„Ein Lithium-Ionen-Akku hatganz viele kleine Zellen, eine Zelle beeinflusst die nächste, im Inneren findenchemische Reaktionen statt. Durch diese Reaktionen wird zusätzlich Sauerstofffreigesetzt und Sauerstoff brauchen wir, wie wir wissen, für die Verbrennung.Grundsätzlich sind die Gase, die ausströmen brennbar. Dadurch kommt es immerwieder zum Entzünden des Akkus“, bringt Thomas Brugger das Dilemma auf denPunkt. Akkubrände sind daher sehr schwierig zu löschen. Es wird sehr vielWasser be-nötigt. Und: „Man muss das Wasser dort hinbringen, wo der Akku brenntbzw. man muss den Akku so weit runterkühlen, damit die Zellen nichtweiterreagieren können.“ Experten sprechen in diesem Fall von einem ThermalRunaway bzw. einem thermischen Durchgehen.

MehrmaligeLöschversuche

Bei dem Brand in Lustenau hatdas Hybrid-Auto dutzende Einsatzkräfte auf Trab gehalten. Trotz mehrmaligerLöschversuche entzündete sich der Akku immer wieder. Nach der Kontaktaufnahmemit dem BMW-Notfallmanagement und der BMW-Werksfeuerwehr bekam die Feuerwehrschließlich den Tipp, den SUV für 48 Stunden im Wasser zu versenken.

Das Auto wurde in der Folgezum Güterbahnhof Wolfurt transportiert, wo es mittels Telelader undContainerkran in eine mit Wasser gefüllte Mulde gehoben wurde. Akkus mögen lautdem E-Fahrzeugexperte drei Sachen nicht.

Erstens: mechanische Stöße.„Wenn es zum Beispiel einen ganz massiven Aufprall gibt und der kompletteFahrzeugrahmen verbogen wäre oder sich ein Teil der Leitschiene in den Akkubohrt“, erläutert der studierte Umwelt- und Verfahrenstechniker. Zweitens:elektrischer Stress durch Tiefentladen oder falsche Ladeströme. Drittens:thermischer Stress. „Ein hoher Temperatureinfluss auf den Akku ist sehr, sehrschlecht. Ab circa 70 Grad wird es kritisch und man muss Maßnahmen setzen“,ergänzt Thomas Brugger.

Rettungskarten

Bei einemUnfall müssen die Feuerwehrleute unter anderem wissen, wo sie schneiden dürfen,wo die Trennstellen sind und wo sie die Personen aus dem Fahrzeug rausbringen.„Diese Informationen holen wir uns über Rettungskarten.“ Um den Akku einesElektrofahrzeugs zu löschen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Thomas Bruggerzählt auf: „Brandbekämpfung mit großen Mengen an Löschwasser, hierdurch wirdder Akku von außen gekühlt und das Löschmittel kann über die entstandenenÖffnungen in das Innere gelangen. Man flutet den Akku über den sogenanntenFireman-Access, der bei einigen Herstellern wie Renault standardmäßig verbautist. Man lässt den Akku abreagieren oder man flutet das Fahrzeug in einerMulde.“

Die Mulde am Güterbahnhofist grundsätzlich für andere Anwendungen bestimmt. Derzeit verfügt dieFeuerwehr Dornbirn über eine Mulde für die „nasse Quarantäne“ von Elektroautos.Eine weitere ist in Beschaffung. Das neue Konzept, das demnächst präsentiertwerden soll, sieht außerdem einen Quarantäneplatz für E-Fahrzeuge vor.  Mit an Bord ist auch ein Abfallentsorger.„Sobald ein Fahrzeug getaucht wird, werden die Inhaltsstoffe des Akkusausgeschwemmt und wir generieren kontaminiertes Löschwasser, das aufbereitetwerden muss“, unterstreicht der Experte im Landesfeuerwehrverband.

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