Auch wenn beim Namen des Komponisten eher Kl�nge und Gef�hle im Breitwandformat aufsteigen: “Eugen Onegin” wurde 1879 zuallererst von Studenten des Moskauer Konservatoriums in einem kleinen Theater aufgef�hrt. Auch sp�ter bestand Peter Tschaikowsky bei diesem Kammerspiel nach einem Versroman von Alexander Puschkin auf bescheidenen Mitteln und einer zur�ckhaltenden Darstellungsweise.

Ensemble des G�rtnerplatztheaters in den Hauptrollen

Insofern passt diese Oper ins kleinere G�rtnerplatztheater, wo sie bereits vor 25 Jahren in der �ra Matiasek zu sehen war. Alle Hauptrollen werden von Mitgliedern des hauseigenen Ensemble und st�ndigen G�sten gesungen. Und zwar so, dass keine W�nsche offen bleiben. Und alle Hauptrollen sind nach altem Theaterbrauch auch noch doppelt besetzt.

Die Premieren-Tatjana Camille Schnoor spiegelt die Entwicklung vom naiven jungen M�dchen zur Dame mit einer lyrischen Stimme, die �ber dramatische Reserven verf�gt. Lucian Krasznecs helle Stimme �hnelt den klassischen russischen Lenskis der fr�hen Nachkriegsjahre – einschlie�lich einiger verhauchter Manierismen. Mathias Hausmann hat genau die richtige Spur Sch�rfe in der Stimme f�r den gelangweilten Zyniker Onegin, den er angemessen blasiert, mit einem Hauch D�sternis und in arroganten Reitstiefeln auf die B�hne stellt.

Starke stimmliche Performance aller Beteiligten

Die kleineren Rollen halten m�helos mit. Ann-Katrin Naidu singt und spielt eine in jeder Hinsicht w�rdige Gutsbesitzerin, Anna-Katharina Tonauer k�nnte als Olga fast Tatjanas Zwillingsschwester sein und sogar die Amme (Anna Agathonos) singt mit frischer Stimme. Die gr��te �berraschung ereignet sich nach der Pause: Der frisch engagierte Sava Vemi� erweist sich mit einem flexiblen, schwarzen Bass als absolut erstklassiger F�rst Gremin.

Der Regisseur Ben Baur beobachtet pr�zise, wie sich die sehr beh�tet aufwachsende und b�cherlesende Tatjana in den etwas r�pelhaften Dandy Onegin verliebt, weil er so anders ist wie der von ihrer Schwester geliebte Brillentr�ger Lenski. Auch der sehr junge Gremin wirkt schl�ssiger wie der traditionelle �ltere F�rst.

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Leider verstimmt die Inszenierung durch allerlei Abwege ins psychoanalytisch Surreale: Irgendwie ist die Geschichte auch als Erinnerung der reifen Tatjana zu verstehen, deren kindliches Double bisweilen mitspielt. Wom�glich sollen die Rampenlichter auf ein Theater auf dem Theater verweisen, ohne dass beides pr�zise ausgearbeitet w�re.

“Eugen Onegin”: Gute Erz�hlung mit handwerklichen M�ngeln

Auch das Atmosph�rische h�ngt in der Schieflage. Tatjanas Namenstagsfeier entwickelt sich zu einer Art dionysischem “Sacre du Printemps” samt einem in dieser Oper wirklich unpassenden Popen. Weil dem Regisseur die Duellforderung zwischen Onegin und Lenski nicht theatralisch genug ist, muss auf dem H�hepunkt des Fests noch die Amme tot umfallen. Zur ber�hmtesten Arie der Oper wird dann wie bei einem Staatsbegr�bnis ihr Sarg hinausgetragen, weil der Regisseur hier Langeweile f�rchtet.

Wenn am Ende Onegin nach Tatjanas Abfuhr in Verzweiflung versinkt, kehren wie bei Shakespeare die Geister der Toten zur�ck. Auch �ber das Einheitsb�hnenbild, in dem zuletzt der recht unhomogen singende Chor trotz Fr�cken vergeblich St. Petersburger Glamour im Stil eines provinziellen Feuerwehrballs verbreitet, lie�e sich streiten, weil es Tschaikowkys epische Dramaturgie harter Schnitte verkleistert. Weil die Geschichte aber trotzdem sauber durcherz�hlt wird, lassen sich die handwerklichen M�ngel und der forcierte Unsinn leicht verschmerzen.

Triumph des Ensembletheaters

Das gilt weitgehend auch f�r die reduzierte Orchesterbesetzung. Weil im G�rtnerplatztheater ohnehin niemand s�ffige Streicherkantilenen mit 14 ersten Geigen erwartet, fehlt einem bei den symphonischen Momenten wie dem H�hepunkt der Briefszene nichts. Das rauschende Tutti bekommen auch 24 Musiker bestens hin.

Nur bei den eher kammermusikalischen Szenen des Anfangs hapert es, weil die Bl�ser allesamt zu laut spielen und (zumindest aus der Perspektive des Balkons) von der Akustik unter das Brennglas gelegt werden. Da entsteht ein gew�hnungsbed�rftiger Distelsound, der vom sonst respektvoll agierenden Chefdirigenten Anthony Bramall nicht gen�gend ged�mpft wird.

Das klingt wom�glich kritischer, als es gemeint ist. Die Auff�hrung ist ein Triumph des Ensembletheaters. Ber�hmtere S�nger sind anderswo auch nicht besser wie die Premierenbesetzung am G�rtnerplatz. Allein das lohnt den Besuch.

“Eugen Onegin” im G�rtnerplatztheater l�uft wieder am 10., 15., 18., 22. Oktober, 1. November. Infos und Karten unter www.gaertnerplatztheater.de

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