Jennifer Lopez tut es, Gwyneth Paltrow ebenso und auch Miranda Kerr ist ein Riesenfan davon – die Rede ist vom Fasten. Egal ob täglich in Intervallen oder als Kur am Stück: Für die Gesundheit kann der kurzzeitige Verzicht auf feste Nahrung sogar ein wahrer Booster sein.

"Fasten ist etwas unglaublich Schönes", findet Dr. Verena Buchinger-Kähler. Die Medizinerin beschäftigt sich tagtäglich mit Fastenden und leitet die Buchinger Heilfasten Klinik in Bad Pyrmont. Damit tritt sie als erste Frau in die Fußstapfen ihres Urgroßvaters Dr. Otto Buchinger – dem Gründer der Buchinger Fastenmethode. Im Interview mit GALA spricht sie über die körperlichen Auswirkungen des Nahrungsverzichts, räumt mit Fasten-Vorurteilen auf und gibt praktische Alltagstipps.

Dr. Verena Buchinger-Kähler im GALA-Interview

Gala: Wie stehen Sie als Fasten-Expertin zum Intervallfasten?

Dr. Verena Buchinger-Kähler: Intervallfasten ist eine wahnsinnig gute Sache, weil es im Alltag für so viele Menschen lebbar ist – aber nur, solange es nicht anstrengend wird. Denn dann produziert der Körper vermehrt Cortisol: Das hält das Fett wiederum in den Zellen und so nimmt man nicht ab.

Für einige ist es einfacher, an zwei Tagen in der Woche bis maximal 500 Kilokalorien zu sich zu nehmen, für andere ist das Intervallfasten besser. Man sollte sich hier langsam herantasten: Es muss nicht von jetzt auf gleich die 16:8-Methode sein, sondern kann auch mit 14 Stunden fasten anfangen und dann langsam auf 15 oder 16 Stunden gehen – und das über einen Zeitraum von drei oder vier Wochen. So hat der Körper mehr Zeit, sich daran zu gewöhnen.

Warum gilt Intervallfasten als gesundheitsfördernd?

Das Intervallfasten im Alltag hat eine hohe gesundheitliche Relevanz: So wird beispielsweise das innere Fett vermehrt abgebaut, was beim Abnehmen hilft. Außerdem werden Entzündungsmarker gesenkt und auch Bluthochdruckpatienten scheinen vom Fasten in Intervallen zu profitieren.

Ihre Klinik ist auf das Buchinger Fasten spezialisiert – was ist hierbei anders?

Das Schöne am prolongierten Fasten, also Buchinger Fasten ist, dass die Autophagie getriggert wird. Dieser Selbstreinigungsprozess des Körpers läuft permanent unterschwellig in unseren Zellen und baut fehlerhafte oder nicht mehr benötigte Zellbestandteile ab. Durch das Fasten wird die Autophagie nochmals getriggert: Wissenschaftler vermuten, dass die Zellreinigung beim Menschen nach etwa 3-5 Tagen des Fastens auf Hochtouren läuft. Beim Langzeitfasten wie beim Buchinger Fasten hat das schon eine ganz andere Power als beim Intervallfasten.

Beim Buchinger Fasten kommt dann noch der mentale Benefit dazu …

Richtig, das Gehirn kann bei dieser Art des Fastens einfach mal abschalten. Während des Buchinger Fastens erfährt man eine Klarheit und kann sehr gut zwischen dem, was körperlich guttut und vor allem wer unterscheiden. Wir kennen alle diese Bio-Vampire, in die eigentlich nur immer wir Energie reinstecken und von denen wir uns genervt fühlen – sie drücken bestimmte Knöpfe bei uns.

Man sollte sich schon darüber Gedanken machen, was eigentlich am besten ins Leben passt, wie man sich am besten entfalten kann und wer gehört dazu. Das Fasten ist da wie eine Atempause, bei der man kurz innehält, wo alles einmal still steht und zur Ruhe kommt und wir von Neuem loslegen können.

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Also sollte man vor großen Entscheidungen am besten eine Fasten-Kur einlegen?

Das machen ganz viele Menschen! Es gibt einige Partnerschaften, die nach dem Fasten entweder geheilt oder getrennt wurden.

In ihrer Body-Mind-Medicine sprechen Sie von Ankerpunkten im Alltag: Was meinen Sie damit?

Fasten ist ein super Achtsamkeitslehrer. Es hilft dabei, Dinge und Gefühle bewusst wahrzunehmen. Denn häufig verkopfen wir, weil wir die ganze Zeit dabei sind, alles zu kalkulieren – die Ankerpunkte holen uns dann in unseren Körper zurück. Solch ein Ankerpunkt kann eine kurze Meditation sein, aber auch das Essen, das man genau unter die Lupe nimmt.

Ein Ankerpunkt kann aber auch sein, dass man unter der Dusche steht und ganz bewusst wahrnimmt, wie die Wassertropfen die Haut berühren und wie sich das Shampoo auf dem Kopf anfühlt. Das kostet die gleiche Zeit, aber es ist ein ganz anderes Körpererlebnis – man ist wieder im Hier und Jetzt.

Wie viele Punkte wir davon in unserem Alltag benötigen, ist jedem individuell überlassen. Wichtig ist, dass man das Date mit sich selbst irgendwann fest einplant. Schon fünf Minuten bewirken eine wunderbare Pause im Alltag, reduzieren das Stresslevel und dadurch den Blutdruck.

Über Fasten-Expertin Dr. Verena Buchinger-Kähler

Ihr Urgroßvater Dr. Otto Buchinger entwickelte vor 100 Jahren die Buchinger Fastenmethode. Heute leitet Dr. med. Verena Buchinger-Kähler als erste Frau der traditionellen Arztfamilie die Buchinger Klinik in Bad Pyrmont. Sie ist verheiratet und Mutter eines kleinen Sohnes sowie einer Tochter.

Verwendete Quellen: eigenes Experten-Interview, buchinger.de

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