Nikolaus Bachler über die Folgen des rigorosen bayerischen Sonderwegs mit maximal 200 Zuschauern pro Vorstellung

"Es ist schrecklich, vor einem leeren Theater zu performen“, sagt Marina Abramovic. Bei der Uraufführung ihrer Opernperformance „7 Deaths of Maria Callas“ am Dienstag sind nur 200 Zuschauer zugelassen – bei mehr als 2000 verfügbaren Plätzen. Obwohl auch unter strikter Beachtung eines Sicherheitsabstands von eineinhalb Metern erheblich mehr Menschen in den riesigen Raum des Nationaltheaters passen würden, hält die Politik an dieser strikten Obergrenze fest.

AZ: Herr Bachler, die Staatsoper versucht seit über 20 Jahren, eine „Oper für alle“ zu sein, aber nun geht es im Nationaltheater fast wie bei einer Separatvorstellung für den menschenfeindlichen König Ludwig II. zu.
NIKOLAUS BACHLER: Das ist der Kampf, den ich seit zwei Monaten mit – wie ich glaube – guten Argumenten führe. Es geht nicht darum, die Gesamtsituation zu ignorieren, sondern zielgerichtet und individuell zu agieren. Es gibt einen Satz meines Schauspiellehrers, den ich sehr richtig finde: „Generelle Beschränkung ist generelle Beschränkung.“ Wer mit dem Rasenmäher drüberfährt, köpft auch die Blumen.

Wie lauten Ihre Argumente, wenn Sie mit Politikern sprechen?
Das Nationaltheater ist mit über 2100 Plätzen das größte Opernhaus Deutschlands. Wir haben ein durchdachtes Sicherheitskonzept entwickelt und den Orchestergraben erweitert, damit die Musiker nicht so eng sitzen. Außerdem haben wir das disziplinierteste Publikum. Leider wird derzeit von der Politik jede individuelle Initiative zurückgedrängt. Das halte ich für eine gesamtgesellschaftliche Gefahr. Deutschland ist derzeit mehr oder weniger auf dem Weg in die Planwirtschaft, wo nur noch Anordnungen und Verbote gelten und die Eigenverantwortung schwindet.

Welche Antworten bekommen Sie aus der Politik?
Immer die gleiche: „Es wäre das falsche Signal.“ Man habe gehofft, dass sich die Situation im Herbst verbessere, aber das sei nicht eingetreten. Die Zahlen bei den Infektionen steigen wieder.

Und wie reagieren Sie?
Ich erkläre, dass niemand das Haus so gut kennen würde wie wir selber. Wir haben von Anfang an mit Abstandsregeln, mit Desinfektion und mit Masken gearbeitet. Alle Mitarbeiter tragen Masken, die nur auf der Bühne abgenommen werden. Wir sind ja nicht ignorant. Da ist es dann schon verwunderlich, wieso man unserer Selbstverantwortung nicht stärker vertraut. Wir reden ja nicht von einem vollen Haus, sondern von einer Steigerung auf 600 Besucher.

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