Was Haustierhalter in Mietwohnungen wissen sollten

Der Wunsch nach einem tierischen Mitbewohner ist groß – aber was, wenn sich der Vermieter querstellt? Oft haben Mieter hier trotzdem ganz gute Chancen, denn ein generelles Verbot von Haustieren im Mietvertrag ist unwirksam. Finanztest erklärt jetzt, welche Rechte Sie zu Hause haben.

Kleintiere: Keine Erlaubnis notwendig

Egal, was im Mietvertrag steht: Harmlose Kleintiere, die in “geschlossenen Behältnissen” wie Käfigen oder Aquarien leben, dürfen in der Wohnung immer gehalten werden. Dazu gehören etwa Zierfische, Wellensittiche, Schildkröten, Hamster, Zwergkaninchen oder Meerschweinchen. Bei Tieren wie Gift- oder Würgeschlangen sollte man sich allerdings die Erlaubnis einholen.

Gute Chancen bei Katzen

Vertragsklauseln, die jegliche Tierhaltung verbieten, sind unwirksam, ebenso solche, die nur Kleintierhaltung erlauben. Beides wäre laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs (AZ. VIII ZR 168/12) eine unangemessene Benachteiligung der Mietperson und nähme keine Rücksicht auf besondere Fallgestaltungen und Interessenlagen.

Vermieter dürfen aber festhalten, dass ihre Zustimmung eingeholt werden muss. Bei Katzen müssen sie die in der Regel erteilen – sie dürfen aber zum Beispiel den Freigang außerhalb der Wohnung oder Katzennetze auf dem Balkon verbieten. Auch die Anzahl spielt eine Rolle: So hat etwa das Amtsgericht Wiesbaden beschlossen, dass mehr als drei Katzen in einer Wohnung zu viel sind (Az. 91 C 3026/12).

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Einzelfallentscheidung bei Hunden

Bei Hunden gestaltet es sich etwas komplizierter: Hier hängt die Erlaubnis vom Einzelfall ab. Einer langen Liste des Bundesgerichtshofs zufolge sind hier zum Beispiel Größe und Anzahl der Haustiere, die Interessen der Nachbarn sowie Lage und Zustand von Wohnung und Haus wichtig. Davon abgesehen hat jedes Bundesland ein eigenes Hundegesetz, das die Haltung bestimmter Rassen teilweise sogar verbietet.

Der Vermieter kann eine Leinenpflicht auf Gemeinschaftsflächen verfügen; Therapiehunde, etwa für blinde Menschen, müssen in der Regel erlaubt werden.

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Nachbarn haben ein Wörtchen mitzureden

Generell müssen die anderen Mietparteien eine gewisse Toleranz an den Tag legen, was gelegentliches Bellen, Miauen oder Vogelzwitschern angeht. Fühlen sich die Nachbarn aber dauerhaft durch das Haustier gestört, etwa durch Lärm oder Geruch, kann es trotz Erlaubnis im Nachhinein Ärger geben und diese könnte sogar zurückgezogen werden. Erst recht, wenn das Haustier gefährlich wird, weil es andere Menschen verletzt.

Bellt etwa ein Hund lange und laut – vor allem nachts – stehen die Gerichte in der Regel auf der Seite der Nachbarn. Dann müssen Mieter dafür sorgen, dass zumindest zeitweise Ruhe herrscht (Oberverwaltungsgericht Sachsen, Az. 3 B 87/17).

Haustiere in Mietwohnung: Achtung bei Schäden

Für Schäden, die über die übliche Abnutzung hinausgehen, müssen Mieter selbst aufkommen. Ist der Fußboden etwa durch Katzenurin verseucht, muss auch die private Haftpflichtversicherung nicht einspringen. Bei Krallen-Kratzern im Parkett gab es unterschiedliche Gerichtsurteile: Manche sahen sie als normale Abnutzungserscheinungen, andere verlangten eher komplizierte Lösungen wie Hundesocken auf den entsprechenden Flächen (Landgericht Koblenz, Az. 6 S 45/14).

Noch mehr zum Thema erfahren Sie im Ratgeber von Finanztest. (rka)



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