Linda, deine Lieder handeln von Liebe, dem Leben und all seinen Facetten. Wann kommen dir die besten Ideen?

Beim Joggen mit meinem Hund zum Beispiel. Aber die meisten Ideen entstehen in Gesprächen. Viele Songs sind autobiografisch, andere behandeln die Erlebnisse meiner Freunde. Ich höre einfach unglaublich gerne zu und habe das Glück, dass meine Freundinnen die besten Inspirationsquellen überhaupt sind.

Es scheint so, als würde dir das Thema Empowerment sehr am Herzen liegt. Woher kommt das? Und wer hilft dir, deine Träume wahr werden zu lassen?

Zwei ganz besondere Personen haben mich schon von klein auf geprägt. Einerseits meine Mutter, die meinen Bruder und mich ziemlich jung bekam und dann in ein echtes Abenteuer aufbrach, als sie frisch verheiratet und mit zwei kleinen Kindern nach Hong Kong zog. Eine totale Umstellung, denn dort kannte sie niemanden. Diese positive Lebenseinstellung und ihr Mut haben mich immer schon beeindruckt. Auch ich versuche heute, jeden Morgen trotz aller Sorgen und Ängste aufzustehen und zu denken: Heute wird der beste Tag deines Lebens.

Und die zweite Person ist mein Opa, der mir durch die Trennungszeit meiner Eltern hindurch half. Das ist wie eine Art Liebeskummer, den man selbst durchlebt, weil man leidet, alles in Frage stellt und Zukunftsängste bekommt. Ich bin damals oft und lange mit meinem Opa spazieren gegangen und er hat mir gesagt: "Kindchen, auch wenn du es jetzt noch nicht siehst, am Ende wird alles gut. Es geht gar nicht anders."

Aufgewachsen in Hong Kong, zuhause in Düsseldorf

Erzählen dir deine Fans, was sie mit deinen Songs verbinden?

Ich habe eine fantastische Community, insbesondere in den sozialen Netzwerken. „1 zu einer Million“ ist für viele ein Song, den sie gerne auf ihrer Hochzeit spielen möchten oder eben „ihr“ Pärchensong. Da bekomme ich sofort eine Gänsehaut. „Wunder“ hingegen ist ein Song, der vielen gerade Kraft gibt. Ich habe ein tolles Video erhalten von dem 93-jährigen Opa eines Fans, der zwar eingeschränkt und mit Maske, aber eben voller Freude mit seinen Enkeln spielt. Für die Hörerin ist dieser Mann ihr Wunder, und das hat sie mit mir geteilt.

Von Hongkong nach Düsseldorf: Inwiefern prägen dich diese doch recht unterschiedlichen Lebensorte bis heute?

Mein Wesen ist eindeutig eine rheinische Frohnatur. Aber eben eine, die früh in die weite Welt hinaus geschubst wurde. Bis heute habe ich nie Probleme, Anschluss zu finden. Ich bin sehr neugierig und total gerne unter Menschen. Hong Kong hat mir und meiner Familie schon früh gezeigt, dass es Rassismus oder Ausländerhass nicht geben darf. Zehn Jahre meines Lebens war ich Ausländerin, aber ich wurde immer voller Respekt und Freundlichkeit behandelt. Diese Offenheit anderen Kulturen gegenüber prägt uns alle bis heute.

Du scheinst eine unverbesserliche Romantikerin zu sein. Welches sind für dich die besten Liebesgeschichten?

Die schönste Liebesgeschichte ist die meiner Mutter und ihres jetzigen Ehemannes. Diese beiden haben sich nicht gesucht, aber trotzdem gefunden. Bis heute sind sie jeden Tag so liebevoll miteinander, und das, obwohl sie schon 17 Jahre zusammen sind. Mein (Stief-) Papa musste letztens zur Kur und beide haben so sehr geweint, obwohl sie sich nur für zehn Tage verabschiedet haben. Das hat mir fast das Herz gebrochen, da zuzuschauen (lacht) Ich glaube ganz fest daran, dass es die große Liebe gibt.

Welche Musiker*innen hörst du privat derzeit am liebsten?

Dua Lipa, Amy Winehouse, Helene Fischer – total Querbeet. Ich springe gerne von Ära zu Ära und höre je nach Tagesform Oldies, Hiphop oder deutsche Popmusik.

Ehrt es dich, als mögliche Nachfolgerin einer Helene Fischer bezeichnet zu werden?

Ich mache total mein eigenes Ding. Aber trotzdem fühle ich mich geehrt, wenn man mich im Zusammenhang mit ihr erwähnt. Sie ist eine Ikone, keine Frage. Aber ich mag Vergleiche nicht, es gibt genügend Bühnen für uns alle. Linda soll klingen wie Linda, nicht wie Helene.

Welchen Song hättest du gerne geschrieben?

Da ich Musik ganz oft mit Momenten verbinde, würde ich sagen „Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros. Ich habe so viele tolle Abende mit Freunden und Familie verbracht, wo wir alle lachend und singend zu diesem Song getanzt haben und uns in den Armen lagen.

Mit welchem Künstler möchtest du einmal im Leben zusammenarbeiten?

Tina Turner ist eine beeindruckende und tolle Persönlichkeit. Sie hat Wege geebnet und so viele moderne Künstler geprägt. Amy Winehouse wäre großartig gewesen, gerade im Songwriting. Als Teenager habe ich sie zutiefst für ihre Stimme und ihren Individualismus bewundert.

Bitte nenn uns drei Momente, die dir die Sprache verschlagen haben.

Als ich das erste Mal einen Song von mir im Radio gehört habe, bin ich fast ausgeflippt. Es war surreal, lange Zeit nur ein kühner Traum, und dann ist der Moment plötzlich da. Tränen in den Augen und Gänsehaut inklusive. Der zweite Moment war die Geburt meiner kleinen Schwester. Ich habe dieses kleine Wunder auf dem Arm gehalten und war völlig überwältigt. Da wusste ich, dass ich mir das auch eines Tages wünsche. Ein unglaublicher Glücksmoment. Und der Dritte wäre wohl mein Auftritt bei der Kieler Woche. Ich bin da etwas naiv hingefahren und habe gedacht: „Ach ja, da sind vielleicht so 500 oder 1000 Zuschauer.“ Und dann waren es auf einmal 15.000, denen ich in die Augen geschaut habe. Das hat mich einen Moment sprachlos gemacht, ehe zum Glück dann doch der erste Ton herauskam.

Du bist ein der Familie nicht der einzige Musikstar. Wie ist dein Verhältnis zu Sasha, deinem Onkel?

Sasha ist zum einen ein ganz enger Freund und Onkel und Ratgeber, der unsere Familie sehr bereichert. Musikalisch stehe ich aber auf eigenen Beinen, da arbeiten wir ganz autark. Klar spielen wir uns gerne unsere neuen Songs vor, wenn wir uns sehen. Und ich weiß genau, dass ich ihn jederzeit kontaktieren könnte, wenn ich mich austauschen möchte.

Auf Familienfesten oder bei Besuchen genieße ich die Zeit mit ihm, meiner Tante und ihrem super süßen Sohn sehr. Es ist toll, dass er ein Teil unserer großen verrückten Familie geworden ist.

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