M�nchen – Mit seinem vierten Solo-Programm “Einer f�r alle – Alle f�r keinen” gastiert der junge Niederbayer Martin Frank im Lustspiel: die erste Indoor-Premiere seit einer halben Ewigkeit. Ein Gespr�ch �ber Musketiere, Eismaschinen und die schlechteste Bedienung der Welt.

AZ: Herr Frank, wir kommen nicht drum herum: Wie sehr schr�nkt Sie der vermaledeite Virus ein?
MARTIN FRANK: An unserem Bauernhof geht das spurlos vorbei. In der Landwirtschaft merkt man das gar nicht so. Mein Papa wurschtelt dahin wie vorher. Jeder sp�rt Corona – au�er mein Papa.

Sind Sie oft daheim in Niederbayern?
Meistens, gerade wenn ich spielfrei habe.

So wie fast alle derzeit.
Ich hab’ so Gl�ck: Ich spiele nicht so gro� wie Monika Gruber oder Martina Schwarzmann, aber auch nicht so klein, dass der Veranstalter sagt: ‘Geh’ loss ma’s bleibn.’ Ich bin so dazwischen. Die Vorpremieren liefen gut: immer rund 100 Leute, auf zwei Mal gespielt: 70 Minuten f�r die ersten 50, Saal desinfizieren und dann 70 Minuten f�r die zweiten 50. Ich versteh’ das ja alles, aber die Deckelung verstehe ich nicht: In die riesige Olympiahalle d�rfen auch nur 200 Leute!

Martin Frank und die Sache mit der N�chstenliebe

Im Oktober sind Sie nun der Erste und Einzige, der im Lustspielhaus eine Premiere spielt.
Bin ich der Einzige? Till Hofmann hatte mich gefragt, ob ich im November in der neuen Location in der Leopoldstra�e 17 anfangen m�chte, aber mir ist es lieber, wenn ich die B�hne schon kenne.

“Einer f�r alle – Alle f�r keinen” hei�t Ihr Programm – die Musketiere lassen gr��en. Haben Sie Dumas gelesen?
In der Grundschule. Auf den Titel bin ich schon vor Corona gekommen. Da hatte ich bereits den Eindruck, dass die Leute so gereizt sind, dass es keinen Zusammenhalt, keine N�chstenliebe mehr gibt. Dann kam Corona, und ich dachte: ‘Jetzt sitzen wir alle im gleichen Boot, jetzt r�cken die Leute bestimmt mehr zusammen.’ Ha! Und dann pr�geln wir uns im Supermarkt ums Klopapier! Da wusste ich: Der Titel passt schon.

Frank: “Von Programm zu Programm werde ich immer verkopfter”

Wie fertig war das Programm, als der Virus zuschlug?
Noch lange nicht. Ich bewundere immer Kollegen wie die Franzi Wanninger, die das in vier Wochen runterhauen. Ich brauche mindestens ein Dreivierteljahr, muss alles aufschreiben, wenn ich was im Kopf habe – sonst hat nix mehr Platz. Wobei ich gemerkt habe: Von Programm zu Programm werde ich immer verkopfter. Je mehr man von dem Beruf versteht, umso schwieriger ist es.

Wie hat Corona die Programmidee ver�ndert?
Ich bin in der Realit�t daheim, habe auch �berlegt: “Rede ich �berhaupt �ber Corona?” Das will ja wirklich keiner h�ren. Aber man kann ja niemandem vorgaukeln, dass es das gar nicht gibt. In der auftrittsfreien Zeit hatte ich daheim viel Zeit zum �berlegen und dazu mir die Welt anzuschauen: “Was sind die Themen?’ Wir sind daheim ja ein M�nner-Haushalt – Papa, Bruder und ich -, und ich bin zust�ndig f�r die Hausarbeit: Ich hab’ nur gewaschen, geputzt und gekocht. Durch diese Hausfrauenrolle hatte ich eine andere Sicht auf die Welt, und das war der Motor f�rs Programm: dass man seine Perspektive mal �ndern muss, sich in den Anderen hineinversetzen. Kritiker sagen dann gern: “Jetzt erz�hlt er von seiner Hausarbeit: Das ist jetzt aber nicht die gro�e Kunst.”

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Wie haben Sie die absurden Corona-Demos erlebt?
Ich versuche, das immer zu verstehen. Aber: Wo bin ich meinen Grundrechten denn eingeschr�nkt, wenn ich so eine bl�de Maske aufziehen muss? Wenn das schon eine Einschr�nkung ist, dann sollten die Leute mal nach Nordkorea gehen. Ich glaube an den gesunden Menschenverstand, aber der wird immer weniger.

“Die Erziehung vom Bauernhof war: sparen, sparen, sparen”

Wie hart hat Sie der Lockdown finanziell getroffen?
Die Erziehung vom Bauernhof war: sparen, sparen, sparen. Ich komme aus der unteren Schicht, wir haben einen ganz kleinen Hof und nie Geld gehabt, und das, was wir hatten, haben wir gespart. Deswegen hab’ ich’s schon ausgehalten. Aber es waren schon Umsatzeinbu�en von 90 Prozent. Corona d�nnt die Branche aus. Das tut der Branche auch ganz gut.

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Wie meinen Sie das?
Es gibt zu viele Leute, die sagen: “Da kann man ja Geld verdienen!” F�r mich hat das aber nichts mit Kunst oder Kabarett zu tun, sondern mit Verbl�dung. Manche gehen auf die B�hne und hauen die unterirdischsten Sachen raus. Da bin ich gar nicht traurig, wenn die nicht mehr da sind.

Martin Frank erinnert sich ans Kellnern im Tresznewski

Gab es in der Krise auch Momente, in denen Sie sich fragten: “Muss ich k�nftig vielleicht was ganz Anderes machen?”
Zwischendurch habe ich schon mal �berlegt: “Vielleicht kauf’ ich mir eine Eismaschine.’ Aber so eine Industrie-Eismaschine kostet 25.000 Euro! Wenn, dann will ich da mit meinem Wagerl umanand fahren. Und als gar keine Auftritte waren, habe ich mich beim Maschinenring als Spargelstecher beworben. Aber mich hat keiner genommen. Ob die gedacht haben, ich will die verarschen? Ich brauchte aber Arbeit!

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Und wenn’s nur f�r den Mindestlohn ist.
Wenn’s einem gut geht, vergisst man so schnell, wie es davor war. Ich wei� noch genau, was ich als Standesbeamter im Rathaus und als Kellner in M�nchen verdient habe.

Wo haben Sie gekellnert?
Im Tresznewski, an der Pinakothek. Zwei Jahre lang, w�hrend der Schauspielschule. Hat mich aber gelangweilt. Ich bin leider die schlechteste Bedienung, die es gibt. Bei so Leuten wie uns beiden hier, die nichts konsumieren, kann ich mich aufregen: “Warum sitzen die jetzt da?” Und dann schimpfe ich mit meiner Kollegin. Oder Leute, die immer fragen: “Was ist da drauf? Ach, das kann ich nicht essen, das auch nicht.” Dann bring’ ich einen leeren Teller! Warum gehen die zum Essen, wenn sie die H�lfte nicht vertragen?! In M�nchen ist das schon extrem. Wenn der Niederbayer zahlen will, sagt er: “Du, Roswitha, wenn’s’d Zeit host, i dad dann zoin.” Der M�nchner sagt: “Ich will zahlen, ja?!”

Lustspielhaus, 15. bis 18. Oktober, 20 Uhr , Telefon 089/ 344 974

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