Schneller,agiler, flexibler. So wird die Arbeitswelt von morgen sein. Heike Bruch,führende Expertin für Leadership und Personalmanagement, erklärt, warumStabilität, Routinen und feste Strukturen trotzdem wichtig bleiben. Und wie wirim Home Office glücklich werden.

Um neue Energien freizusetzen, rät Heike Bruch Unternehmen zueinem regelmäßigen “Frühjahrsputz”. Dabei klären Arbeitsteams ihre Prioritäten,definieren Schwerpunkte neu und misten Unwichtiges aus. Das helfe zurefokussieren und Überforderung zu vermeiden. „2019 haben wir Daten vonUnternehmen analysiert. In 57 Prozent davon hatten große Teile derMitarbeitenden das Gefühl, sie arbeiten am Limit und befinden sich in einer ArtÜberhitzung.“ Das sei weder gut für die Mitarbeitenden noch für die Leistung.Wie man dem entgegenwirken könne, erläutert die Professorin für Leadership ander Universität St. Gallen und Gründerin des Organizational Energy Program imInterview.

Sehr viele arbeiten jetzt im Home Office. Was ist dabei speziell zu beachten?

Neueste Studien haben verdeutlicht, dass gerade im Home Office die Sehnsucht nach klaren Zielen steigt. Wenn Mitarbeitende allein zu Hause arbeiten, ist es noch wichtiger, dass sie einen Sinn aus der Arbeit schöpfen und dass sie Wertschätzung erfahren. Gerade jetzt in der Coronazeit, in der viele Leute auch unfreiwillig im Home Office sitzen, wo die meisten gar nicht darauf vorbereitet sind oder selber gar keine Erfahrung darin haben und die entsprechenden Rahmenbedingungen fehlen, brauchen wir tendenziell mehr Steuerung und mehr Klarheit, was die individuellen Ziele betrifft.

In diesem Zusammenhang sprechen Sie auch von Boundary Management. Was ist damit gemeint?

Boundary Management ermöglicht es den Menschen, Grenzen zwischen Arbeit und Privatem besser zu setzen. Die meisten haben das ja nie gelernt, deshalb sollten Führungskräfte bei der Selbststeuerung unterstützend mitwirken. In besonders anstrengenden Zeiten wie jetzt ist entscheidend, dass Menschen auch zum Ausdruck bringen können, wenn sie überfordert sind. Wir nennen das „gesunde Hochleistungskultur“. In der es kein Tabu ist, zu sagen, dass man Hilfe braucht. Damit man sich gegenseitig schützen und helfen kann und Belastungen auf mehreren Schultern verteilt. Diese Kultur brauchen wir jetzt umso mehr, wo unvorhergesehene Belastungen, Überforderung, Verunsicherung oder Erschöpfung auftauchen.

Was denken Sie, wie werden wir in Zukunft arbeiten?

Wir werden viel mehr Freiheiten haben, bezogen auf wo und wann wir arbeiten. Wir werden viel fluider arbeiten, mehr in Netzwerken, sowohl im Unternehmen als auch außerhalb. Die klassische Hierarchie wird es immer noch geben, aber sie wird nicht mehr so dominant sein. Es wird immer weniger top down geführt werden, und wir werden viel mehr Selbstführung, Eigenmotivation und flexible Zusammenarbeit sehen. Wir werden hoffentlich viel attraktivere Arbeits- und Rahmenbedingungen vorfinden. Ich sage bewusst hoffentlich, denn wir werden auch die Diversität in den Arbeitsangeboten haben müssen, weil nicht alle Leute flexibel und dauerhaft sich selbst organisierend arbeiten möchten. Das heißt, wir werden auch Strukturen brauchen mit mehr Stabilität, Standardisierung, Konstanz und Sicherheit.

Sie nennen dies „beidhändige Kultur“. Was ist darunter zu verstehen?

Einerseits finden wir Schnelligkeit, Agilität und Flexibilität. Und auf der anderen Seite Stabilität, feste Strukturen, auch eine gewisse Routine, Effizienz und Perfektion von Bestehendem. Die große Herausforderung dabei: Wie bekommen wir hin, dass diese unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit gut harmonieren? Das verstehen wir unter beidhändiger Kultur. Zu schauen, dass beide Seiten gut und wertschätzend zusammenarbeiten. Was wir nämlich nicht brauchen können, ist, dass wir in großem Maße Leute verlieren. Oder nur noch das Eindimensionale haben. Dass man sagt, so muss man in Zukunft sein und alles andere wird abgewertet. Das wäre weder von der menschlichen noch von der gesellschaftlichen Seite wünschenswertsein und alles andere wird abgewertet. Das wäre weder von der menschlichen noch von der gesellschaftlichen Seite wünschenswert.

Heike Bruch
Alter: 54
Wohnort: St. Gallen
Engagements: Direktorin des Instituts für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen; Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V.; Wissenschaftliche Leiterin TOP JOB

Quelle: Lesen Sie Vollen Artikel