The Other machen Horrorpunk seit 2002

Von Denise Kylla

Wenn sie auf der Bühne stehen, dann sehen sie aus wie Monster: “The Other” spielen Horrorpunk – da ist der Name Programm. Seit 2002 ist die Band aus Nordrhein-Westfalen auf dem Vormarsch. Mit ihrem neuen Album “Haunted” sind sie gerade erst in die Deutschen Charts eingestiegen – Platz 67. Was das für die Musiker bedeutet und was sie außer Musik noch so machen, das erzählte Frontmann Rod Usher alias Thorsten Wilms im Interview mit RTL.

The Other haben vor Kurzem das neue Album „Haunted“ herausgebracht – trotz Corona und wenig Möglichkeiten, live zu spielen, seid ihr in die Charts eingestiegen – wie fühlt sich das an?

Einfach einzigartig. Vor allem, weil es so unerwartet war. Als gruselig aussehende Rocker haben wir sicherlich nicht das große Publikum, das andere Chartstürmer haben. Aber scheinbar zahlt sich die langjährige Arbeit und die vielen Konzerte rund um die Welt aus. Wir sind jedenfalls sehr glücklich und stolz. Sogar für unsere Eltern ist das toll, für sie ist ein Platz in der “Hitparade” als Erfolg greifbarer, als ein Auftritt auf dem Wacken Open Air.

Was bedeutet das neuen Album für Dich?

“Haunted” ist eine Mischung aus Fortschritt und Nostalgie.  Es vereinigte die Aufbruchsstimmung der Anfangszeit mit dem Drang, sich weiter zu entwickeln. Viele nennen es schon jetzt unser bestes Album, da wir uns nicht kopieren, aber auch unsere Wurzeln nicht vergessen. Das Cover halte ich sogar für unser wirklich bestes Artwork überhaupt.

Was ist anders im Vergleich zu den Vorherigen?

Wir haben unsere Stärken besser herausgestellt. Das Düstere ist Teil unseres Sounds, darauf haben wir Wert gelegt, zudem sind wir gradliniger und auch wieder schneller geworden. Dieses Album stellt die Essenz unseres Sounds dar. Und weil wir diese Herangehensweise im Songwriting so geplant haben, hat es wohl auch so gut funktioniert. Die hervorragenden Kritiken scheinen das zu bestätigen. 

Gab es etwas, das dir besonders am Herzen lag?

Ich lege immer sehr viel Wert auf meine Texte und versuche Emotionen und psychologische Aspekte darzustellen oder kleine Geschichten zu erzählen. Diesmal war meine eigene Geschichte die Basis vieler Lyrics, denn eine Trennung nach vielen Jahren hat mir arg zugesetzt. Dass ich diese Gefühle abstrakt und künstlerisch angehen konnte, war mir wichtig. Ich bin dankbar für diese Möglichkeit. Darüber hinaus hat sich auch ein ungewohnt deutlicher politischer Kommentar im Song “Absolution” wiedergefunden, für den wir sehr positives Feedback bekommen haben.

Beschreibe Euren Album-Sound für Leute, die noch nicht reinhören konnten:

Wir mischen die Schnelligkeit und Melodie des Punk-Rocks, mit der Härte und den Riffs des Metals und der düsteren Atmosphäre des Gothis. Dazu ein Schuss alte Horror-Filme und ihr habt The Other.

Wie liefen die Studio-Aufnahmen? Sind sie vor der Coronazeit entstanden oder währenddessen?

Wir haben das Album im Gernhart-Studio in Troisdorf aufgenommen, wo bereits viele bekannte Metal-Bands zu Gast waren, und haben es von unseren alten Weggefährten Waldemar Sorychta und Dennis Koehne mixen lassen. Gerade Waldemar war schon für viele Chart-Alben härterer Bands zuständig, von Moonspell bis Sodom. Er kennt uns und holt das Beste aus uns raus. Die meiste Zeit aber waren wir in Troisdorf und haben da meist getrennt, aber auch mal zusammen aufgenommen. Speziell die gemeinsamen Chor-Gesänge, bei denen wir alle zusammen vor dem Mikro standen, waren ein großer Spaß. Gut, dass alles schon im Februar durch war, so konnten wir unbeschwert aufnehmen ohne bis dahin von Corona gehört zu haben.

Ihr habt lange an einem Hörspiel gearbeitet – worum geht’s?

Es gibt ja schon The Other Comics, unter anderem von Panini-Comics. Nun wollten wir aber dahin gehen, wo noch keine Band hingegangen ist und den The Other Horror-Kosmos erweitern: Mit Freunden entstand die Idee für ein Hörspiel, das von John Sinclair-Autor Thomas Williams als Drehbuch umgesetzt wurde. Und plötzlich waren wir mitten drin im Geschehen um die Geschichte des alten Dämons Esiarp, der die Welt erobern will. Da wir als Band aber nur durch die Energie unseres Publikums leben können müssen wir uns in der Handlung Esiarp entgegenstellen. Und das wird nicht nur schön trashig-gruselig, sondern klingt auch sehr professionell, mit Top-Sound, Effekten und Musik.

Es haben auch Promis mitgemacht – wer war dabei?

Freunde aus der Szene, die aber viele Menschen kennen dürften, unter anderem Bestseller-Autor Wolfgang Hohlbein, Forensiker Dr. Mark Benecke, der Sänger der Metal-Band Kreator, der Sänger der Mittelalter-Rocker In Extremo, Anna R. von Rosenstolz, NDW-Legende Joachim Witt und Erotik-Ikone Conny Dachs

Wann wird das Hörspiel veröffentlicht?

Voraussichtlich im Oktober, pünktlich zu Halloween. Das Label Wicked Vision hat sich etwas Tolles überlegt und wird die CD nicht nur als Mediabook, also mit festem Einband und prallem Booklet, sondern auch auf Kassette veröffentlichen. Mit Glück gibt’s sogar einen Bleistift dazu…

Wie gehst Du als Musiker mit der Coronakrise um?

Wir bekommen täglich mit, wie es befreundeten Musikern, Bands, Veranstaltern, Clubs, Festivals und all den Menschen und Unternehmen geht, die in der Live-Branche arbeiten. Es ist schwer zu verstehen, dass sie eigentlich keine Lobby haben und Unterstützung auf Grund riesiger Hürden kaum zu bekommen ist. Jede Stadt profitiert von seinem Kulturleben, aber wenn es drauf ankommt, passiert einfach gar nichts. Wir können erstmals von Glück sagen, dass wir alle nicht nur von der Musik leben. Die größte Umstellung war es für unseren Bassisten Aaron, der als Musiklehrer schnell bis auf Weiteres auf Video-Musikstunden umgestellt hat.

Alle sprechen immer nur von den schlechten Seiten der Krise – hat sie Dir oder Euch als Band auch etwas Gutes gebracht?

Ja. Wir haben eine Aufmerksamkeit für unser neues Album erhalten, die vielleicht sonst nicht gegeben gewesen wäre. Viele Leute hatten Lust und vor allem Zeit, zuhause neue Musik zu hören und sich richtig mit ihr zu beschäftigten, anstatt sie nur nebenbei zu konsumieren. Zudem haben wir sehr schnell wieder mit Songwriting losgelegt, schon für ein paar Stücke Ideen entwickelt und überlegen, eine Single nachzuschieben. Vor allem aber haben wir viel an unserem Hörspiel gearbeitet. Wir waren fleißig.

Was wünschst Du Dir für 2021?

Für uns und für alle Menschen wünsche ich mir wieder Normalität. Wir möchten wieder wie gewohnt vor Publikum spielen, möchten, dass Musikschaffende wieder von ihrer Kunst leben können und hoffen, dass mit einer Rückkehr zum Alltag auch entstandene Gräben in der Gesellschaft ein Stück weit zugeschüttet werden.

Stehen trotz Corona schon The Other-Konterte an?

Ja, wir können Halloween mit ein paar Fans feiern. Am 31.Oktober. spielen wir in der “Groove Bar” in Köln-Porz vor maximal 80 Fans und unter den geltenden Hygiene-Maßnahmen. Die Bar hat ein bewährtes Konzept, dass es uns möglich macht, unsere jährliche Kölner Halloween Show auch im zum 19. Mal stattfinden zu lassen. Zuletzt waren wir im Kölner Carlswerk, in das 1.600 Zuschauer passen. Es wird also diesmal sehr intim.
Eine erste Show spielen wir am 3. Oktober im Essener “Don’t Panic”, natürlich auch unter den nötigen Auflagen. Für 2021 stehen bereits 13 Konzerte zwischen März und Mai fest, außerdem hoffen wir, unsere ausgefallen Gigs auf dem Wacken Open Air und dem Summer Breeze nachholzen zu können.

Musik

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