Vor 22 Jahren landete Lou Bega mit “Mambo No. 5” einen Welthit. Jetzt begibt er sich mit seinem aktuellen Album “90s Cruiser” auf eine Zeitreise in das goldene Jahrzehnt. Im Interview mit unserer Redaktion spricht der gebürtige Münchener über die hoffnungsvollen 90er-Jahre und die aktuell schwierige Zeit, mit der er insgeheim gerechnet hatte. Der 46-Jährige erklärt zudem, warum er nie in eine Trash-TV-Show gehen würde.

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Lou Bega, mithilfe Deines neuen Albums cruisen wir zurück in die 90er. Warum steht dieses Jahrzehnt aktuell wieder so hoch im Kurs?

Lou Bega: Das könnte daran liegen, dass die 90er das farbenfrohste und hoffnungsvollste Jahrzehnt waren, das die Menschheit jemals erleben durfte. Der Ost/West-Konflikt war auf einmal nicht mehr da, Deutschland ist zusammengewachsen – und das verbreitete überall Hoffnung. Das Leben erschien uns so bunt wie nie zuvor. Ich erinnere mich an eine TV-Show, in der DJ Bobo auf den Gangsta-Rapper Snoop Dogg traf. Niemand hat sich daran gestört.

Wieso hast Du Dich dazu entschlossen, einige Hits der 90er neu aufzunehmen und auf ein Album zu packen?

Das größte Maß an individueller Freiheit erlebten wir in den 90ern. Das spiegelte sich damals auch in der Musik wider. So war “Mambo No. 5” der letzte große Hit Ende dieses Jahrzehnts. Ich hatte einfach Lust, die 90er aufzuarbeiten, weil wir seit 2020 in einer Art von Bedrängnis leben. Daher möchte ich einen kleinen Beitrag leisten, dieses Gefühl ein wenig in unser Jahrzehnt zurückzubringen.

Du lässt Evergreens wie “Everybody’s Free (To Feel Good)” oder “King of My Castle” in einem neuen Gewand erstrahlen. Wie klingen die Originale bei Dir?

Ich bin vorgegangen wie einst bei “Mambo No. 5”. Damals hatte ich ein Instrumental aus den 50er-Jahren gehört und mich davon inspirieren lassen. So kam “A little bit of Monica in my life, a little bit of Erica by my side” zustande. Ich hatte unter anderem diesen Part drauf gesungen, gewisse Veränderungen vorgenommen. Genauso haben wir es jetzt auch mit den 90er-Hits gemacht – also eigene Elemente eingebaut. So entstanden schöne Verbindungen aus Neuem und Altem.

“Sing Hallelujah” hat es auch auf das Album geschafft. Weil Du Dich kürzlich als gläubiger Christ “geoutet” hast? Was steckt dahinter?

Sagen wir mal so: Der Titel ist nicht eins-zu-eins auf meinen Glauben übertragbar, aber es sind interessante Elemente dabei. Zudem eignet sich “Sing Hallelujah” hervorragend für Live-Auftritte, der Song lässt sich gut als kleine Gospel-Show inszenieren. Grundsätzlich hat mir der gute Jesus in den vergangenen sechs Jahren sehr geholfen und meinem Leben eine Fülle gegeben, die ich vorher nicht kannte.

Vermutlich insbesondere während der Corona-Zeit. Wie schwer haben Dich die Monate ohne Auftritte getroffen?

Meinen letzten Gig hatte ich 2019. Allerdings war ich darauf eingestellt, dass es eines Tages eine größere Veränderung geben würde. Das hatte ich im Gefühl. Mir war auch völlig klar, dass wir Bühnenmenschen die letzten sein werden, die zurückkehren dürfen – die Priorität lag sicher nicht auf uns. Wir haben unser Leben in der Corona-Zeit weitergelebt, zum Beispiel mit unseren Pferden. Der Alltag hat sich verlagert, wir waren viel in der Natur. Ich kenne jedoch einige Künstler, die einen größeren Absturz hinter sich haben – weil sie dachten, dass das Leben immer so weitergehen würde.

Haben wir uns alle selbst überschätzt?

Na ja, zumindest sind viele Menschen davon ausgegangen, dass nichts kommen kann, was größer ist als wir. Oder was den gewohnten Kreislauf – Geld verdienen, Geld ausgeben – unterbrechen könnte. Das war offensichtlich ein Trugschluss. Ich kann das verstehen, wenngleich ich selbst ein Stück weit vorbereitet war. Mein Glauben hat mir dabei geholfen zu erkennen, dass es zum einen wichtigere Dinge gibt und dass sich zum anderen alles zum Guten wenden wird. Wir müssen durchhalten!

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Du hast gesagt, dass Du auf eine “große Veränderung” eingestellt warst. Was heißt das konkret? Hattest Du hinsichtlich einer Pandemie eine Vorahnung?

Das nicht, aber ich wusste im Geiste, dass es eine Zeit der Bedrängnis geben würde. Ich habe jahrelang gespürt, dass dieses Gefühl von Freiheit, das in den 90ern noch vorgeherrscht hatte, eines Tages vorbei sein könnte. Es war ein schleichender Prozess. So sorglos, wie wir gelebt haben: Das konnte nicht ewig so weitergehen. Es lag etwas in der Luft.

Einige Künstler leiden auch wirtschaftlich massiv unter den ausbleibenden Konzerten. Würdest Du in eine Trash-TV-Show gehen, um Deine Kasse aufzubessern?

Never! In Trash-TV-Shows würde ich nicht gehen. Ich kann aber verstehen, wenn manche Menschen anders darüber denken, weil sie ihre Familien ernähren müssen.

Wie oft bekommst Du Anfragen von “Promi Big Brother” oder dem “Dschungelcamp”?

Ganz selten. Eigentlich habe ich nur einmal vor vielen Jahren eine halbherzige Anfrage bekommen. Vielleicht gehen die davon aus, dass “Mambo No. 5” so viel eingebracht hat, dass ich mich nicht mehr in den Dschungel quälen muss (lacht).

Ist dem denn so? “Mambo No. 5” eroberte in 21 Ländern die Spitzenposition der Charts und landete in den USA auf Platz drei …

Das sei mal dahingestellt. Aber ja, “Mambo No. 5” war ein großer Erfolg, auch weil der Song perfekt dem Zeitgeist entsprach. Und dann gab es noch weitere Faktoren. Dass – kurz nachdem ich den Titel geschrieben hatte – der damalige US-Präsident Bill Clinton ausgerechnet mit einer Monica für Schlagzeilen sorgte, kam dem Ganzen natürlich unverhofft zugute. Es war reiner Zufall, dass Monica der erste Frauenname ist, der im Refrain besungen wird. Man stelle sich vor, die Lewinsky-Affäre wäre im heutigen Social-Media-Zeitalter ans Licht gekommen. Was das für den Song bedeutet hätte!?

Was entgegnest Du denjenigen, die Lou Bega als One-Hit-Wonder abstempeln?

Dass es nicht stimmt. “I Got A Girl” war zum Beispiel ein Top-20-Hit. Und wer zum Beispiel in Asien den Namen Lou Bega in eine Karaoke-Kiste eingibt, bekommt nicht “Mambo No. 5”, sondern einen Song namens “Angelina”.

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