Die Empörung über Rassismus und Polizeigewalt in den USA treibt auch viele Promi-Musiker um – und bei weitem nicht nur schwarze. Stars wie Beyoncé, Taylor Swift, Pharrell Williams oder Jeff Tweedy nutzen einen Gedenktag zur Abschaffung der Sklaverei für klare Ansagen.

Beyoncé hat sich in der Debatte über Rassismus und Polizeigewalt mit einer positiven Botschaft zu Wort gemeldet. Foto: Ben Margot/AP/dpa

Sie ist ein Pop-Weltstar, glamourös, steinreich – und schon seit langem hoch engagiert für Schwarze in den USA. Jetzt hat sich die Grammy-Seriensiegerin Beyoncé (38) in der Debatte über Rassismus und Polizeigewalt erneut deutlich zu Wort gemeldet – mit einer positiven Botschaft für afroamerikanisches Selbstbewusstsein.

Ihr Song «Black Parade» wurde in den USA am Freitag veröffentlicht, bis Sonntag hatte das Stück allein bei Youtube schon weit über eine Million Aufrufe erzielt. Eine neue Hymne für «Black Lives Matter»?

Die R&B-Sängerin – angeblich bestverdienende Frau im Musikgeschäft – wurde bei ihrer jüngsten Polit-Offensive von einem weiteren Superstar flankiert: Auch Taylor Swift (30) widmete sich am Wochenende dem sogenannten Juneteenth-Gedenktag für die Sklavenbefreiung in den USA vor 155 Jahren. Swift plädierte für einen nationalen Feiertag am 19. Juni. Einst galt sie als Vorzeige-Girl der bei Weißen beliebten US-Countrypop-Musik und hielt sich mit politischen Äußerungen zurück – inzwischen positioniert sich Swift klar gegen US-Präsident Donald Trump, rechte Umtriebe und Rassismus in ihrem Land.

Beyoncés neues Lied «Black Parade» feiert zu einer afrikanisch angehauchten Gesangsmelodie und Hip-Hop/Trap-Beats den Stolz der Schwarzen auf ihre Kultur. «Wir haben Rhythmus/wir haben Stolz/wir bringen Könige zur Welt/wir erschaffen ganze Stämme», so lassen sich einige der Textzeilen des fast fünfminütigen Stücks übersetzen.

Zuvor hatte die 24-fache Grammy-Gewinnerin Beyoncé auf ihren sozialen Medien die «Black Parade»-Initiative zugunsten schwarzer Unternehmer vorgestellt. «Happy Juneteenth Weekend!», schrieb Beyoncé in einem Instagram-Post «mitten im Kampf». Sie fügte hinzu: «Bitte erinnern Sie sich immer an unsere Schönheit, Stärke und Kraft. “Black Parade” feiert Sie, Ihre Stimme und Ihre Freude, es wird kleinen Unternehmen im Besitz von Schwarzen zugute kommen.»

Beyoncé hatte schon kurz nach der Tötung des Schwarzen George Floyd durch einen weißen Polizisten in Minneapolis Ende Mai Gerechtigkeit für Afroamerikaner gefordert und Rassismus scharf verurteilt – wie auch etwa die Pop-Ikonen Mariah Carey (50) und Barbra Streisand (78). Vor dem Hintergrund landesweiter Proteste wegen Floyds Tod unter dem Banner der Bewegung «Black Lives Matter» (Schwarze Leben zählen) gedachten am Freitag in den USA viele Menschen des Endes der Sklaverei vor 155 Jahren. Auch hier reihten sich Musik-Stars ein – und bei weitem nicht nur «People of Colour».

So postete Taylor Swift ein Video, in dem die schwarze Journalistin Danielle Young die Bedeutung des Tages erklärt. Sie selbst und ihre Familie würden weiterhin zur Geschichte der Afroamerikaner hinzulernen und sich gegen Rassismus stark machen, so die Sängerin.

«Juneteenth» – ein Kunstwort aus «June» (Juni) und «nineteenth» (der 19.) – wird in vielen US-Staaten zelebriert, zählt bisher aber nicht zu den offiziellen, landesweit geltenden Feiertagen. Der demokratische Gouverneur von Virginia, Ralph Northam, kündigte vergangene Woche zusammen mit Hip-Hop-Superstar Pharrell Williams («Happy») an, dass der 19. Juni in diesem US-Bundesstaat staatlicher Feiertag werde. Die Idee dazu stammte aus einem Gespräch Northams mit Williams, dessen Vorfahren in Virginia schwarze Sklaven waren. «Unser Land feiert den Unabhängigkeitstag – Juneteenth verdient dieselbe Wertschätzung», erklärte der Musiker (47). Dies solle nicht nur ein Tag für afroamerikanische Menschen sein, sondern für alle US-Bürger.

Einer der jüngeren R&B-Stars in den USA, Teyana Taylor (29), setzte für ihr neues Werk «The Album» bewusst auf das Veröffentlichungsdatum 19. Juni. Es kam am «Juneteenth»-Gedenktag heraus – mit einer Stellungnahme Taylors zum verspäteten Ende der Sklaverei in Texas im 19. Jahrhundert. Der britische Soul-Musiker Michael Kiwanuka (33) präsentierte ein kämpferisches Video zum Song «Light». Schwarze müssten «so oft hören, dass wir weniger wert sind», schrieb er dazu. «Ich habe darüber in meiner Musik gesprochen, aber ich wollte nochmal in Worten erklären, dass ich so stolz bin, ein Schwarzer zu sein.»

Eine beispielhafte Aktion startete derweil einer der wichtigsten weißen US-Musiker, Jeff Tweedy (52) von der Folkrock-Band Wilco. Der Grammy-Gewinner kündigte an, fünf Prozent seiner Songwriter-Einkünfte an Organisationen zu geben, die sich um Gerechtigkeit für Schwarze und die «Black Community» kümmern. «Die moderne Musikindustrie ist fast komplett auf der Kunst von Schwarzen aufgebaut. Der Wohlstand, der schwarzen Künstlern gebührt hätte, ist gestohlen worden», schrieb der Sänger, Gitarrist und Produzent (Norah Jones, Mavis Staples). Tweedy schlug zudem eine Reparations-Initiative vor, «um das Business zu verändern – und die Welt, in der wir leben».

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