1960 kamen die Beatles erstmals nach Hamburg. Es wurde die Geburtsstunde einer der größten Bands der Welt. Die Kiez-Wirtin Rosi Sheridan McGinnity hat die Jungs damals gut gekannt – und erinnert sich im Gespräch mit dem stern.

Als junge Frau hing sie mit den Beatles ab und heiratete den Musiker Tony Sheridan: Rosi Sheridan McGinnity ist Hamburger Urgewächs und führt seit Jahrzehnten die Kiez-Kneipe Rosis Bar mitten in St. Pauli.

60 Jahre ist es her, dass die Beatles nach Hamburg kamen. In den rauen Clubs des Hafenviertels holten sich die Musiker in zahllosen Nächten den Schliff und die Routine, ohne die sie nie zu Weltstars geworden wären. Höchste Zeit, dass es ein eigenes Festival gibt, das die Stellung der Hansestadt in der Karriere der Fab Four würdigt: “Come Together – The Hamburg Beatles Experience” feiert Ende März drei Tage lang die große Band aus Liverpool.

Auch sie wird mit dabei sein: Rosi Sheridan McGinnity. Die Wirtin aus St. Pauli hat die Anfänge der Band in Hamburg aus nächster Nähe mitbekommen. Als die Beatles im August 1960 erstmals im Indra spielten, war Rosi 19 und arbeitete als Kellnerin im benachbarten Kaiserkeller. Im Gespräch mit dem stern erinnert sich die heute 79-Jährige an die Zeit: “Wir wussten ja alle, das Indra war ein Strip-Laden”, sagt die Besitzerin der Kiez-Kneipe Rosis Bar. “Die Beatles haben gespielt, wenn die Mädchen Pause gemacht haben.”

“Geile Typen sind das schon”: So erinnert sich Rosi an die Beatles

Auch mit fast 80 ist die Hamburgerin mit der Kodderschnauze noch immer eine stattliche Erscheinung. Mittlerweile steht sie zwar nicht mehr hinter dem Tresen ihrer gemütlichen Kneipe am Hamburger Berg, die Abrechnung macht sie jedoch immer noch selbst. Wenn sie von den alten Zeiten erzählt, kommt sie richtig in Fahrt. 

Paul McCartney

"Jeder Song ruft Erinnerungen hervor"

Insgesamt 48 Nächte seien die Musiker in dem Club aufgetreten, so Rosi. Sie selbst habe sich die neuen Musiker auch angehört. Ihren ersten Eindruck von den späteren Weltstars schildert sie so: “Ich hab gedacht: ‘Geile Typen sind das schon, aber mit der Musik ist das nicht so weit her.'”

Die Beatles spielten damals zu fünft. John Lennon, Paul McCartney, der erst 17 Jahre junge George Harrison, Bassist Stuart Sutcliffe sowie Pete Best am Schlagzeug, der später durch Ringo Starr ersetzt werden sollte. “Paul war wunderschön”, schwärmt Rosi noch heute. John Lennon sei natürlich “ein Typ” gewesen. Und Pete Best mochten viele Mädchen. Musikalisch habe sie die Band dagegen nicht sonderlich beeindruckt, da war sie Besseres gewohnt. “Die konnten ja nur zehn Stücke spielen.”

Sie hatte sich in Tony Sheridan verliebt

Für die junge Frau kam keiner der jungen Liverpooler als Mann in Betracht: Sie war zu dem Zeitpunkt schon vergeben. Rosi hatte sich in den britischen Musiker Tony Sheridan verliebt, der damals deutlich berühmter war als die Beatles, und den Paul McCartney noch heute als “Teacher” bezeichnet.

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Weil das Paar erst ein paar Jahre später heiratete, gab es ein Problem: Zu Beginn der 60er Jahre war es unverheirateten Frauen nicht erlaubt, Männer mit in ihre Wohnung zu nehmen. So übernachtete Rosemarie Heitmann, wie sie damals noch hieß, des Öfteren bei Sheridan, der im Frühjahr zusammen mit den Beatles in einem Zimmer lebte – in Etagenbetten mit karierter Bettwäsche.

Tony Sheridan hatte mittlerweile die Beatles als seine Begleitband engagiert und trat mit ihnen ab April 1961 im Top Ten Club auf der Reeperbahn auf. 92 Nächte in Folge spielten sie dort, von 19 Uhr bis 4 Uhr morgens, mit nur viertelstündigen Pausen zwischendurch. Ein Knochenjob. “Da sind sie zu Musikern geworden. Und zu Männern”, schildert die Kiez-Wirtin diese wilde Phase. “George ist hier entjungfert worden”, erzählt sie, “die anderen Beatles haben danach applaudiert.”  

John Lennon erklärt Kunst

Die Musiker und die junge Rosi kamen sich in dieser Phase sehr nahe. Man bekam alles voneinander mit. Sie erinnert sich noch heute an die Unterhemden in Lila und Grün, die die Beatles damals trugen. Die Besitzerin von Rosis Bar hat auch nicht vergessen, dass John Lennon in der engen Dachkammer häufig an die Wand gerotzt und dort mehrere Flecken hinterlassen hat. Ein bisschen ekelig habe sie das schon gefunden, doch Lennon habe ihr eine andere Sichtweise präsentiert: “Rosi, that’s art”, das sei Kunst, sagte der Beatle zu ihr. “Es kommt darauf an, wie du die Dinge betrachtest”, so Lennon. “It’s the way you look at things.” Das habe sie von John gelernt und seither nicht vergessen.

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1962 kamen die Beatles noch drei Mal für Gastspiele nach Hamburg, das letzte Mal vom 18. bis zum 31. Dezember. Kurz darauf begann ihre Weltkarriere – nach St. Pauli kamen sie nicht mehr zurück. Doch sie trugen die Zeit in dem wilden Vergnügungsviertel immer in sich.

Und auch Rosi hat diese Zeit bis heute nicht vergessen. So wird sie Teil des Festivals “Come Together” sein, das vom 27. bis zum 29. März in Hamburg rund um die Reeperbahn stattfindet. Internationale Musiker, lokale Größen und Zeitzeugen werden an die Anfänge der Beatles erinnern – mit Konzerten, Lesungen und Ausstellungen. Rosi Sheridan McGinnity wird dann sicher den ein oder anderen Schwank aus den alten Tagen zum Besten geben. Das Kommen lohnt sich – nicht nur wegen Rosi.

Mehr über das Festival unter www.cometogether-experience.com/

Die Rosis Bar befindet sich am Hamburger Berg 7, einer Seitenstraße der Reeperbahn. Die gemütliche Kneipe hat an allen sieben Wochentagen von 21 Uhr bis 4 Uhr geöffnet.

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