Dass Boris Johnson seine Lebensgefährtin Carrie Symonds heiraten will – das war bekannt. Doch die Corona-Pandemie wirbelte die Pläne des Paares durcheinander. Jetzt haben sie heimlich Ja gesagt.

“Der Premierminister und Carrie Symonds wurden gestern Nachmittag in einer kleinen Zeremonie in der Westminster Cathedral vermählt”, sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur PA. “Das Paar wird seine Hochzeit im nächsten Sommer mit Familie und Freunden feiern.” Angeblich haben die beiden bereits “Save-the-Date”-Karten für den 30. Juli 2022 verschickt. Carrie Symonds hat den Namen ihres Gatten angenommen und heißt nun Carrie Johnson.

Für Boris Johnson ist es Ehe Nummer drei

Erst im Februar 2020 hatte sich Johnson von der Anwältin Marina Wheeler scheiden lassen, mit der er vier Kinder hat. Für ihn ist es nun die dritte Ehe – für seine neue Frau, ehemalige Pressesprecherin von Johnsons Konservativer Partei, die erste.

Die 33-jährige trug ein weißes Kleid, aber keinen Schleier. “Sie kam den Kirchgang hinunter, und er konnte die Augen nicht von ihr nehmen”, zitierte der “Telegraph” einen Mitarbeiter der Kirche. Und die “Mail on Sunday” ließ wissen, der gemeinsame Sohn Wilfred, 13 Monate jung, sei dabei gewesen.

Boris Johnson: Der Premier von Großbritannien und seine Verlobte Carrie Symonds am 6. Mai in London. (Quelle: Stefan Rousseau/dpa)

Die offizielle Bestätigung ließ dennoch bis zum Sonntagmorgen auf sich warten. Die Geheimnistuerei hatte auch ein Mitarbeiter von Johnson befeuert, als er der Presse mitteilte: “Mir wurde gesagt, dass ich auf keinen Fall kommentieren darf.” Bei Twitter preschten einige Gratulantinnen vor – zwei Ministerinnen sowie die scheidende nordirische Regierungschefin Arlene Foster richteten am Samstagabend ihre Glückwünsche aus.

Erstaunlich war anfangs, wie sehr das Paar die Zeremonie geheimhalten konnte. In den sozialen Netzwerken gab es lange keine Fotos von der Hochzeit. Dabei liegt die katholische Kathedrale, in der bereits Wilfred getauft wurde, im Herzen Londons. Das Gotteshaus wurde den Berichten zufolge am Samstagmittag plötzlich geschlossen, Besucher wurden hinausgebeten. Um 14.00 Uhr Ortszeit sei dann Symonds in einer Limousine vorgefahren worden, berichtete die “Sun”.

Aber auch hier: keine Bilder. Dabei sind viele Restriktionen mittlerweile aufgehoben, bis zu 30 Menschen dürfen sich gemeinsam im Freien treffen. Es war also eine perfekt geplante und durchgeführte Geheimoperation.

“Es war ihr alleiniges Geheimnis”

Dazu passt, dass angeblich nicht einmal ranghohe Mitarbeiter informiert waren. “Das Ganze wurde unter großer Geheimhaltung durchgeführt und sorgfältig geplant”, zitierte die “Sun” eine Quelle, die Carrie nahesteht. “Es war ihr alleiniges Geheimnis, und das hat den Tag so besonders gemacht.” Symonds, inzwischen also Johnson, teilte am Morgen ihres Hochzeitstages ein Bild von Wilfred inmitten blauer Hasenglöckchen.

Dass der Premier die gebürtige Londonerin heiraten wollte, war bekannt. Eigentlich war die Feier bereits für 2020 geplant, nach Wilfreds Geburt. Doch die Corona-Pandemie wirbelte die Pläne des Paares ebenso durcheinander wie die zahlreicher anderer Heiratswilliger. “Die Hochzeitsbranche wird sicherlich mit Macht zurückkehren, wie viele andere Wirtschaftszweige auch”, sagte Johnson noch im März ausweichend, als er auf die Hochzeit angesprochen wurde.

Nun wurde es also doch eine Corona-Hochzeit. Johnsons Vater soll dabei gewesen sein. PA meldete, Stanley Johnson sei am Samstagabend gesehen worden, wie er die Downing Street verließ. Die große Party könnte in Chequers steigen, dem Landsitz der britischen Premierminister, spekulieren Medien.

Der Schlusspunkt einer turbulenten Woche

Es ist das erste Mal seit knapp 200 Jahren, dass ein amtierender Premierminister heiratet: Robert Jenkinson ehelichte Mary Chester 1822. Johnson und Symonds sind zudem das erste unverheiratete Paar in der Downing Street. Ihr Einfluss auf den Premier gilt als groß. So soll es seine frischgebackene Frau gewesen sein, die maßgeblich den Abschied des einstigen Top-Beraters Dominic Cummings betrieb.

Für den Premier ist die Hochzeit der Schlusspunkt unter eine turbulente Woche. Zwar ist er in der Bevölkerung dank des Erfolgs der Corona-Impfkampagne äußerst beliebt. Politisch steht Johnson aber unter Druck. Cummings hat ihm Versagen beim Krisenmanagement in der Corona-Pandemie vorgeworfen, ein Bericht nennt frühere Aussagen Johnsons über Burka-Trägerinnen als Beleg für anti-muslimische Haltungen in seiner Partei. Und ein unabhängiger Berater rügt den Premier, er habe “unklug” gehandelt, als er sich nicht darum kümmerte, wie der Umbau seiner Dienstwohnung finanziert wird.

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Schon wirft die oppositionelle Labour-Partei Johnson vor, er wolle mit der plötzlichen Hochzeit von den Vorwürfen ablenken. Die Abgeordnete Tonia Antoniazzi riet ihm, die Hochzeitsfeier auf Chequers lieber rasch durchzuziehen: “Jeder weiß, dass er nicht mehr in der Lage sein wird, eine Feier in Chequers zu planen, weil er nächstes Jahr nicht mehr Premierminister sein wird.”

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