Filmkritik: No Time To Die – So ist Daniel Craigs letzter Einsatz als James Bond

Ein letztes Mal in der Badehose: Daniel Craig als Doppelnullagent James Bond

Von Mireilla Zirpins

Fast sechs Jahre mussten sich die Fans nun gedulden, bis Daniel Craig wieder den Doppelnullagenten gibt. Ein letzter Einsatz im Dienste Ihrer Majestät – zumindest mit Daniel Craig als Bond, der sogar nochmal die Badehose überstreift! Wir verraten, ob sich das Warten gelohnt hat.

Filmkritik zum 25. Bond-Film "No Time To Die"

Endlich kommt er doch, der 25. Bond. Coronabedingt etliche Male verschoben und nun ab 30.9. sogar im Kino zu sehen. Mit der größten Filmpremiere des Jahres, live übertragen von RTL.de. Eisern wurde beteuert, dass das es nun wirklich der allerletzte Einsatz des länger schon Bond-müden Daniel Craig sei. Und es wurde viel orakelt, was man aus den Trailern so herauslesen könnte über die Zukunft des Macho-Agenten. Nun, im Grunde stimmten die meisten Spekulationen. Soviel können wir hier verraten, ohne allzusehr zu spoilern. Aber come on! Schließlich wissen wir bei einem 007-Abenteuer ja ohnehin grob, was wir kriegen. Die Frage ist doch, wie man’s uns serviert.

Diesmal bekommen die Fans von allem etwas: Daniel Craig noch mal in der Badehose, die er eigentlich nie gern getragen hat. Bei seinem ersten Einsatz als 007 stieg er aus den Fluten wie einst Ursula Andress. Heute weidet sich die Kamera an einem kleineren Ausschnitt, der kaum mehr als die Badehose zeigt. Ja, Regisseur Cary Joji Fukunaga („True Detective“) und Script-Doctor Phoebe Waller-Bridge („Fleabag“) haben sich alle Mühe gegeben, die Geschlechterverhältnisse umzukehren. Vorbei die Zeiten des zudringlichen Agenten-Aufreißers aus Sean Connerys Zeiten, den Fukunaga nicht ohne Grund der Vergewaltigung bezichtigt hat. Im mutig modernisierten Bond-Kosmos hat man’s nicht leicht als etwas in die Jahre gekommener Agent, der im MI6-Ruhestand die Füße doch nicht stillhalten kann. Da hilft es auch nichts, dass Bond viel weniger trinkt als früher, während sein Chef M (Ralph Fiennes) immer häufiger zur Flasche greift. Sie beide merken, dass das Geschäft längst kein reiner Herrenclub mehr ist.

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Das neue heiße Geschoss des MI6, Doppelnullagentin Nomi (Lashana Lynch mit herben Charme), fährt im Job die Ellbogen aus und stapft wie ein Macker in Bonds Hotelzimmer – anzüglicher Kommentar zu Bonds Gesäß inklusive. Und auch Paloma (Ana de Armas), Bonds bildschöne Assistentin für eine Nacht (nicht so, wie Sie denken!), ist nicht halb so kulleräugig-naiv wie sie in ihrem Hauch von Nichts scheint. Herrlich!

Und natürlich Dr. Madeleine Swann (Léa Seydoux, die sich mit ihrer komplexen Figur deutlich vom Klischee der Bond-Begleiterin befreit. Ihr ist James Bond seit seinem Einsatz im Film „Spectre“ treu geblieben ist. Aber natürlich kann 007 nicht einen ganzen Film über eine einzige Frau an seiner Seite haben. Und so sind die beiden bald getrennte Leute, aber ganz sicher nicht übereinander hinweg. Wer sich bei „Spectre“ über das starke emotionale Element gefreut hatte, kommt hier voll auf seine Kosten. Daniel Craigs Bond ist im Vergleich zu seinen vorherigen Einsätzen geradezu redselig. Er haucht im Schlafzimmer „Je t’aime“, öffnet sein Herz und manchmal wird’s fast ein wenig philosophisch. Bei seiner Abschiedsvorstellung zieht er wirklich alle Register.

Trailer: "Keine Zeit zu sterben"

Für Bond-Fans ist definitiv genug 007 drin in "No Time To Die"

Doch keine Sorge: Wer ins Kino will wegen dem, was die 24 Bond-Filme vor „No Time To Die“ ausmachte, bekommt genau das zu sehen: Der Bond von Welt bereist für uns traumhaft schöne Schauplätze und liefert sich in seinem Signature-Aston-Martin und anderen Fahrezeugen wilde Verfolgungsjagden mit zahlreichen Schurken, die aus allen Löchern zu kriechen scheinen. Natürlich sind die Herrschaften der Geheimorganisation Spectre unter der Leitung des bösen Blofeld (Christoph Waltz) wieder aktiv. Dazu kommt mit Rami Malek ein neuer Fiesling ins Spiel, der es auf Bonds Freundin Madeleine abgesehen hat. Der ist zwar manchmal etwas farblos, aber irgendwie doch creepy. Dazu geht’s um Biowaffen – wie passend zur Pandemie! War natürlich schon vorher alles abgedreht. Und Fukunaga traut sich auch in puncto Spannung was mit ungewöhnlichen Akzenten, auch wenn’s gegen Ende ein paar kleine Längen gibt.

Am Ende sind wir geschüttelt und gerührt zugleich

Nach 2 Stunden und 43 Minuten sind wir geschüttelt und gerührt zugleich. Den Bond-Film hat Cary Joji Fukunaga nicht neu erfunden, aber uns gezeigt, in welche Richtung es in Zukunft gehen kann. Wir mussten ja schließlich auch erstmal Daniel Craig in Würde verabschieden, bis wir bereit für was ganz Neues sind.

„Keine Zeit zu sterben“ läuft ab dem 30.9.2021 im Kino.

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