"Kranitz"-Schöpfer Jan Georg Schütte: "Therapie ist eine tolle Sache"

Zweite Staffel der Impro-Serie

Jan Georg Schütte (59) gilt als DER Impro-Spezialist im deutschen Fernsehen. Nach dem großen Erfolg seiner für einen Grimme-Preis nominierten satirischen Impro-Serie „Kranitz – bei Trennung Geld zurück“ (2021) startet nun die zweite Staffel.

Die vier neuen Folgen sind ab dem heutigen Freitag (25.11.) in der ARD-Mediathek zu sehen und werden ab kommender Woche (30.11., mittwochs, ab 22:30/22:45 Uhr) im NDR Fernsehen ausgestrahlt. Wieder mit dabei sind Schütte selbst als Selfmade-Therapeut – eigentlich Immobilienmakler – Klaus Kranitz und Bjarne Mädel (54) als sein krimineller Kumpel Manni. In Episodenhauptrollen glänzen diesmal Theater-Star Peter Simonischek (76) als Kranitz‘ Vater sowie Elisa Schlott (28), Laura Tonke (48), Alice Dwyer (34), Edin Hasanovic (30), Aleksandar Jovanovic (51) und Yannik Heckmann (27) als „Junge mit Triebstau“.

Im Interview erzählt der Schauspieler – zuletzt in „Tatort: Ein Freund, ein guter Freund“ und „Tatort: Murot und das Gesetz des Karma“ zu sehen -, Drehbuchautor und Regisseur Jan Georg Schütte unter anderem von seinen eigenen Therapie-Erfahrungen. Außerdem erklärt er, warum er immer wieder auf dieselben Schauspieler für seine unterschiedlichen Impro-Formate setzt und er verrät, wie es ihm mit dem nahenden runden Geburtstag geht.

Jan Georg Schütte: Ach, die Ideen finde ich überall, auf der Straße, unter Freunden, bei anderen TV-Sendungen, Podcasts und vor allem zusammen mit meinem Co-Autor Sebastian Schultz. Indirekt speisen sich alle Ideen aus eigenem Erleben. Für „Kranitz“ lege ich dann aber noch eine Schippe drauf.

Schütte: Ich finde Therapie eine tolle Sache. Ist ja in Deutschland immer noch etwas „für Bekloppte“, dabei ist es einfach nur eine fantastische Hilfe, wenn man mal jemanden von außen auf sein Leben draufgucken lässt. Noch dazu professionell.

Schütte: Ich hatte tatsächlich keine Klischees im Kopf, weil ich Therapie immer schon eine super Idee fand. Aber man muss verdammt genau gucken, bei wem man das macht. Es gibt da schon sehr unterschiedliche Kandidaten. Für mich persönlich war meine erste Therapie-Erfahrung der absolute Kick – auch für meinen Job. Knoten haben sich gelöst, mir fielen so einige Schuppen von den Augen. Kann ich nur jedem empfehlen.

Schütte: Ja, würde ich gerne. Gute Idee! Wichtig wäre da, dass sie so programmiert ist, dass wirklich mal die passenden Leute zusammenfinden. Nicht nur die Schicksten, die scheinbar Hippsten und die Traurigsten untereinander, sondern die Gegensätzlichen, die scheinbar nicht matchen. Die Unterschiede machen es doch aus.

Schütte: Die Überraschungen sind für mich das Schöne am Improvisieren. Insofern zeichnen eine/n guten Impro-Künstler/in Neugierde, Offenheit, Frechheit und der Mut aus, auch daneben zu langen.

Schütte: Kann man schon – aber im Grunde kann das jedes Kind. Gucken Sie denen mal beim Spielen zu. Randvoll mit Impro. Wir Erwachsene verlernen es nur mit zunehmendem Alter.

Schütte: Eher umgekehrt. Die Kameraleute sind manchmal frustriert bei mir, weil sie stundenlang warten müssen, bis einer vorbeikommt und dann müssen sie einfach draufhalten und können kein „schönes Bild“ machen. Und die Autoren: Ach, die lieben es, glaube ich, meine Filme zu sehen, weil es mal so erfrischend anders ist. Ich sage ja auch nicht, dass es keine Autoren braucht. Die beiden Arten können wunderbar nebeneinander existieren.

Schütte: Na ja, die improvisierte Ermittlerarbeit war nicht ganz einfach, weil in Deutschland die meisten „Tatort“-Kommissare für mich eher langweilige Übermenschen sind. Das Eindampfen aufs Normale hat vielen nicht gefallen. Komödie funktioniert da besser. Da ist das Fehlerhafte, das Versagen ja notwendig. Versagen ist eben besser zu improvisieren als Superheld.

Schütte: Ich bin ein großer Verehrer von dem Kollegen Axel Ranisch [39, Regisseur der beiden Impro-„Tatorte“, Red.]. Insofern voreingenommen. Und ich fand die beiden Dinger vielleicht vom Genre her themaverfehlt, aber ich gucke mir so ein munter verfehltes Thema immer noch lieber an, als so manch einen Krimi nach dem Muster „Wo waren sie Mittwochabend?“.

Schütte: Ach, Charly kenne ich schon seitdem ich von ihm vor über zehn Jahren beim „Polizeiruf“ [Episode „…und raus bist du!“, 2011] verhaftet wurde. Anna habe ich erst bei „Klassentreffen“ [2019] kennen und lieben gelernt und Bjarne – na ja, zweimal „Der Tatortreiniger“ [2016, 2018]. Das schweißt zusammen. Dass sie Impro können, habe ich denen an der Nasenspitze angesehen. Offene und vor allem verdammt uneitle Kollegen. Wunderbar. Ich setze gerne immer wieder auf sie, weil meine Arbeit eine Menge mit Vertrauen zu tun hat. Das habe ich zu den genannten volle Lotte.

Schütte: Ich arbeite weiter daran. Huhu, Nora!

Schütte: Es ist fürchterlich. Ich habe einen kleinen Kreis Freunde eingeladen, um mich an diesem schweren Tag zu trösten.

Schütte: Meine Schwestern fanden die Geschenke im Stiefel interessanter als ihren neuen kleinen Bruder. Traumatisch. Darum bin ich wahrscheinlich Schauspieler geworden. Damit mich mal jemand sieht.

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