Matthias Brandt und seine zwei öffentlichen Leben

60. Geburtstag

Schauspieler Matthias Brandt kam am 7. Oktober 1961 in West-Berlin zur Welt und feiert am Mittwoch seinen 60. Geburtstag. Obwohl es nicht einfach ist, aus dem großen Schatten berühmter Eltern herauszutreten, ist es ihm gelungen. Sowohl seine Herkunftsfamilie als auch seine Karriere sind bemerkenswert. Und beide bemerkenswert öffentlich. Das erste öffentliche Leben mochte er nicht besonders, das zweite suchte er sich selbst aus.

Matthias Brandt ist der jüngste Sohn des früheren deutschen Bundeskanzlers (1969-1974) Willy Brandt (1913-1992) und dessen zweiter Ehefrau (1948-1980), der norwegisch-deutschen Autorin Rut Brandt (1920-2006). Aus dieser Ehe stammen auch der Historiker Peter Brandt (geb. 1948) und der Schriftsteller und Filmemacher Lars Brandt (geb. 1951, „Andenken“).

Aus Willy Brandts erster Ehe (1941-1948) mit Carlota Thorkildsen (1904-1980) hat Matthias Brandt zudem die Halbschwester Ninja Frahm (geb. 1940). Den Familiennamen Brandt gibt es offiziell erst seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Willy Brandt kam als Herbert Ernst Karl Frahm in Lübeck zur Welt. Kurz nach der Machtergreifung der NSDAP ging er aus politischen Gründen nach Norwegen ins Exil. Seit dieser Zeit nannte er sich Willy Brandt. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland und der Wiedereinbürgerung in Schleswig-Holstein ließ er sich offiziell auf den neuen Namen registrieren. 

Über seine Kindheit in dem berühmten Haushalt erzählte Matthias Brandt einmal dem „Brigitte“-Magazin: „Die Kindheit, das war aber auch eine große Freiheit. Was auch damit zu tun hat, dass meine Eltern mit anderen Dingen beschäftigt waren.“

Im Herbst 2016 legte der Schauspieler sein erstes Buch mit dem Titel „Raumpatrouille“ vor. Darin erzählt er autobiografische Geschichten aus seiner normalen und doch außergewöhnlichen Kindheit. So gab es „Wachleute und Fahrer, denen man Streiche spielen“ konnte. Oder einen Nachbarn namens Heinrich Lübke (1894-1972), der einmal Bundespräsident war. „Letzteren besucht der kleine Matthias Brandt gelegentlich und höflichkeitshalber, um mit ihm Kakao trinkend beisammen zu sitzen und zu schweigen“, fasste das Literatur- und Kulturmagazin „Buchszene“ damals in seiner Rezension zusammen.

Willy Brandt wurde mit dem Friedensnobelpreis (1971), zahlreichen Verdienstorden europäischer Nachbarländer, einigen Ehrendoktorwürden und der Auszeichnung „Person des Jahres“ (1970) des „Time“-Magazins gewürdigt. Jede Menge Auszeichnungen und Preise – darunter allein drei der besonders angesehenen Grimme-Preise – kann inzwischen aber auch Matthias Brandt vorweisen. Er zählt zu Deutschlands oberster Schauspielriege und wählte durch seinen Beruf erneut ein öffentliches Leben. Einen großen Namen machte er sich vor allem als Kommissar Hanns von Meuffels von 2011 bis 2018 im Münchner „Polizeiruf 110“-Ableger.

„Fernsehkommissar ist bei uns lustigerweise eine eigene Berufsbezeichnung. Ich würde mich aber nur ungern davon dauerhaft prägen lassen. Noch lieber als Polizist bin ich nämlich Schauspieler“, sagte Brandt der „Süddeutschen Zeitung“, als der Abschied nahte. Über das Wie orakelte der Schauspieler damals noch: „Ich glaube nicht, dass man den [von Meuffels] ermorden muss. In meiner Vorstellung kann der noch viele schöne Dinge machen, wenn er nicht mehr im Fernsehen auftreten muss. Wenn ich aufhöre, fühlt es sich ein bisschen so an, als ließe ich ihn frei.“ In diesem Sinne kündigte er am Ende des Krimis „Polizeiruf 110: Tatorte“ ganz einfach…

Für die Fans des Künstlers Matthias Brandt war sein Abschied vom Sonntagskrimi schwer. Doch auch nach dem Ausstieg als Kommissar war er im Fernsehen als Polizist zu sehen. In der Miniserie „Das Geheimnis des Totenwaldes“ (2020, das Erste) spielte er den Chef des Hamburger Landeskriminalamtes Thomas Bethge.

In Bjarne Mädels (53) Regiedebüt, der Romanverfilmung „Sörensen hat Angst“ (2020, das Erste), verkörperte er dann den ehemaligen Kurdirektor Frieder Marek. In Arbeit sind zudem zwei weitere Miniserien. Welche Rolle er im sechsteiligen Netflix-Format „Cable Cash“, das laut Produktion vom „größten Wirtschaftsskandal der deutschen Geschichte“ inspiriert wurde, spielen wird, ist noch nicht bekannt. In „Buback“ von Regisseur Dominik Graf (69) wird er als Michael Buback (76), Sohn des 1977 von der Rote Armee Fraktion ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback (1920-1977), zu sehen sein.

Es gab aber auch schon Produktionen, in denen Matthias Brandts Familie und Beruf sich vermischten. So spielte er in dem zweiteiligen Spielfilm „Im Schatten der Macht“ (2003) die Rolle des später enttarnten DDR-Spions Günter Guillaume (1927-1995). Von 1972 bis zu seinem Rücktritt im Jahr 1974 war Guillaume der persönliche Referent von Bundeskanzler Willy Brandt. Es war eine der ersten großen Fernsehrollen von Matthias Brandt.

Matthias Brandt ist verheiratet und hat eine Tochter. Bevor sie geboren wurde, hat er sich mit dem Vatersein beschäftigt. „Ich habe mir grundsätzliche Gedanken dazu gemacht, bevor meine Tochter auf die Welt kam. Weil ich ständig über meine Eltern definiert wurde, darauf reagieren musste, was andere mir über meine Eltern meinten mitteilen zu müssen“, zitiert ihn „Brigitte“.

In einem früheren Interview mit spot on news verriet er zudem ein paar Details aus seinem Alltag. „Grundsätzlich bin ich eher ein Morgenmensch als eine Nachteule.“ Kulinarisch sei er „immer noch leicht zufrieden zu stellen. Ich mag einfache Speisen“. Und bei der Hausarbeit dürfte er in einem Bereich keine allzu große Hilfe sein: „Ich kann nicht bügeln“, gab er damals zu. „Aber zum Glück gibt es ja so tolle Einrichtungen, wo man die Hemden hinbringen und wieder abholen kann und alles ist gut“, lachte er.

Apropos Oberbekleidung: Matthias Brandt ist bekennender Werder-Bremen-Fan. Der Verein hat dem Schauspieler einmal ein Trikot mit der Rückenaufschrift „Von Meuffels“ geschenkt. „Es wird auch mal angezogen. Aber es im Stadion zu tragen, wäre mir peinlich“, verriet er 2017 in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. 

Beim Thema Gewalt hört der Spaß für den ehemaligen Krimi-Star auf. „Ich lehne Gewalt ab, weil ich sie unzivilisiert finde. Und halte das auch nicht für verhandelbar, obwohl Gewalt immer stärker verbreitet wird. Bei diesem Thema glaube ich nicht an Grauzonen“, so Matthias Brandt.

spot on news

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