Es muss schwer sein für eine Mutter, wenn ihr Kind plötzlich in den Fokus unliebsamer Ermittlungen gerät. Wenn es dabei auch noch um den Vorwurf des Missbrauchs an einer Minderjährigen geht, dürfte für sie eine Welt zusammenbrechen. Hinter Queen Elizabeth, 96, liegen aufreibende Monate. Ihr zweitältester Sohn Prinz Andrew, 62, machte Schlagzeilen mit seinen Verwicklungen in den Skandal um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, †66. Zum Entsetzen aller Mitglieder der königlichen Familie flatterte plötzlich eine Klage ins hochherrschaftliche Haus. Ein Skandal erster Güte, doch die Monarchin steht bis heute hinter ihrem ins Zwielicht geratenen Sohn.   

Prinz Andrew kämpft um seine Rehabilitation 

Die Augen der Weltöffentlichkeit waren monatelang auf Prinz Andrew gerichtet. Die Amerikanerin Virginia Giuffre, 38, war in den USA gegen den Royal vor Gericht gezogen. Sie behauptet, der königliche Spross habe sie im Alter von nur 17 Jahren mehrmals sexuell missbraucht. Vorwürfe, die Andrew bis heute bestreitet. Doch Konsequenzen bleiben nicht aus: Der 62-Jährige musste als Senior Royal zurücktreten, seine militärischen Titel und Schirmherrschaften sowie jegliche finanzielle Unterstützung der Familie wurden ihm entzogen. Daran rüttelte auch nicht die Tatsache, das Andrew seinen Hals mit einem außergerichtlichen finanziellen Vergleich aus der Schlinge ziehen konnte. 

Seitdem brodelt es in der höfischen Gerüchteküche: Andrew kämpfe um seine Rehabilitation, heißt es. Er strebe danach, wieder seine alten Aufgaben aufzunehmen. Ambitionen, die vor allem bei Prinz Charles, 73, und Prinz William, 40, auf Gegenwind stoßen sollen. Und auch die Öffentlichkeit beobachtete mit Erstaunen, wie selbstverständlich der in Ungnade gefallene seine Mutter, die Queen, im März 2022 vor Beginn des Gedenkgottesdienstes für seinen 2021 verstorbenen Vater Prinz Philip, †99, zu ihrem Sitzplatz in der Westminster Abbey geleitete. 




Ein Jahr nach seinem Tod Die Bilder von Prinz Philips Gedenkfeier

Queen Elizabeth lässt ihren Sohn nicht fallen

Mit dieser Entscheidung setzte die Königin ein deutliches Signal: Sie beugt sich in jenem Moment weder der öffentlichen Meinung noch der mutmaßlichen Ansichten ihrer Familie. Prinz Andrew hat noch immer einen Platz an ihrer Seite. Wenige Monate später sieht das schon wieder ein wenig anders aus: Ihr angeblicher Lieblingssohn darf anlässlich ihres 70. Thronjubiläums während "Trooping the Colour" nicht neben ihr auf dem Balkon des Buckingham Palastes stehen. Auch die Teilnahme ihres Sohnes an der Zeremonie zum Garter Day am 13. Juni 2022 wurde kurzfristig abgesagt. In dieser Hinsicht hat die Monarchin dem äußeren Druck nachgegeben. 

Dennoch scheint sie hinter den Kulissen weiterhin treu zu ihrem Sohn zu stehen. Eine Erklärung dafür findet der Biograf Andrew Morton in dem "Mirror"-Podcast "Pod save the Queen". Im Gespräch mit Zoe Forsey erklärt er: "Prinz Andrew war seiner Mutter gegenüber immer absolut loyal. Er wird nie ein Wort gegen sie zulassen, er war immer äußerst loyal."

Darum hält die Monarchin an Andrew fest

Zudem bewundere die Monarchin bis heute seine Rolle im Falkland-Krieg im Jahr 1982, wo er als Hubschrauberpilot eingesetzt war. In dieser dreimonatigen militärischen Auseinandersetzung zwischen Argentinien und dem Vereinigten Königreich, die von April bis Juni andauerte, ging es um territoriale Ansprüche auf die britischen Falklandinseln sowie Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln. Andrew setzte wie viele andere sein Leben dafür ein, den Flugzeugträger HMS Invincible vor einer Versenkung durch die Argentinier zu schützen.  

"Er war im Grunde leichte Beute und eine Opfergabe – aber als Hubschrauberpilot spielte er eine große Rolle dabei, sicherzustellen, dass Raketen harmlos explodierten, indem er einem Plan folgte", so Morton. "Das erforderte viel Mut, und sie schätzte das sehr, weil dieser Konflikt Großbritannien viele Tote und Verletzte gekostet hat. Die Argentinier hatten Andrew als ihr Hauptziel, also zeigte er in dieser Zeit viel Mut."

Auch an anderer Stelle erntete er das Wohlwollen seiner Mutter: "Sie mochte auch die Tatsache, dass er die Bergung von Kunstwerken während des berühmten Brandes auf Schloss Windsor im Jahr 1992 organisierte. Er war es, der Initiative zeigte, aber auch Loyalität gegenüber der Königin. Sie vergisst diese Dinge nicht und er war ihr ein sehr loyaler Sohn."

Die Entscheidung der Queen, sich von Andrew anlässlich des Gedenkgottesdienstes für ihren verstorbenen Mann in die Kirche begleiten zu lassen, sieht Morton gelassen: "Die Trauerfeier war ein Familienanlass und kein Staatsanlass, also lag es wirklich an ihr, wer sie zu ihrem Platz führte."

Prinz Andrew mag in den Augen der Weltöffentlichkeit und vielleicht auch in denen seiner Angehörigen keine offizielle Daseinsberechtigung mehr im royalen Rampenlicht haben. Im Schatten seiner Mutter spielt er jedoch noch immer eine wichtige Rolle.

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