Romina Power wird 70: Was tut sich mit Al Bano und "Felicità"?

Geburtstag am 2. Oktober

Das mit dem Glück ist so eine Sache. Für die Chinesen ist es „die Abwesenheit von Schmerzen“, für den amerikanischen Lyriker Ogden Nash „sich kratzen können, wenn es juckt.“ Vor allem ist es eine Sache des einen, richtigen Augenblicks, denn „nur Idioten sind immer glücklich“ (Prinzessin Ira von Fürstenberg).

Für Al Bano (75) und Romina Power ist das „Glück“ der größte Erfolg ihres Lebens. Das Gesangs-Duo hatte mit „Felicità“ (italienisch Glück) einen Welthit, der ihnen Millionen und Berühmtheit bescherte. Abgesehen davon hat er ihnen nicht so viel Glück gebracht.

„Felicità“ – das ist schon eine ganze Weile her, doch irgendwie hat sich der italienische Ohrwurm ins Langzeitgedächtnis gefressen. Dieser Tage wird er wieder häufiger im Radio zu hören sein, denn Romina Power wird am 2. Oktober 70 Jahre alt.

„Felicità“ war mehr als nur ein Sommerhit. Es war die Liebeserklärung schlechthin, an das unbeschwerte romantische Leben, mit Händchenhalten und langen Spaziergängen am Strand. Ganz Europa hatte sich in dieses schlichte Liedchen verliebt.

Im Winter 1982 traten sie mit dem Song beim Sanremo-Festival auf. „Felicità, è tenersi per mano, andare lontano, la felicità…“, schmetterte Al Bano mit seiner hübschen hellen Stimme, ein „kleiner, unscheinbarer Italiener mit Kassenbrille“ und „fragwürdiger Mattenfrisur“, wie der „Spiegel“ schrieb: „Neben ihm tänzelt eine elfengleiche Schönheit im schulterfreien roten Glitzerkleid und haucht zurück: Felicità.“

Sie: Amerikanerin, Tochter des Hollywood-Stars Tyrone Power, der 1958 bei Dreharbeiten mit 44 einem Herzinfarkt erlegen war. Er: Sohn eines süditalienischen Weinbauern. Ein scheinbar ungleiches Paar, das gerade deswegen so authentisch auf das Publikum wirkte. „Was außer amore hätte diese zwei zueinander führen können?“, fragte sich der „Spiegel“.

Das war bereits in den 60er-Jahren passiert. Romina Power, die mit ihrer Mutter, der Schauspielerin Linda Christian, in Spanien und Italien lebte und seit ihrem 14. Lebensjahr in italienischen Filmen mitspielte und als Sängerin auftrat, war erst 15, als sie bei Dreharbeiten zu „Garantiert Jungfrau“ den acht Jahre älteren Albano Carissi kennenlernte. Der war bereits ein Schlagerstar.

Beim nächsten gemeinsamen Film „Nel Sole“ muss es gefunkt haben. Sie wird schwanger, die beiden heiraten 1970 gegen den Willen der Eltern. Noch im gleichen Jahr wird Tochter Ylenia geboren, drei weitere Kinder folgen: Yari (1973), Cristel (1985) und Romina Jr. (1987).

Da sind Al Bano, wie er sich mittlerweile nennt, und Romina längst „La coppia d’oro“ – das Goldpaar. Ein Traumduo der italienischen Popmusik. Sie vertreten das Land 1976 und 1985 beim Eurovision Song Contest. Gleich mehrmals sind sie die Stars beim Sanremo-Festival, das 1984 mit „Ci sarà“ gewinnen. Ihre Hits „Sharazan“, „Sempre sempre“, „Libertà“ und vor allem „Felicità“ sind Millionen-Seller. Das Paar hat offensichtlich das Glück langfristig gebucht.

Dann der große Bruch, ein tragisches Ereignis: Ihre älteste Tochter Ylenia, damals 23, verschwindet am Silvestertag 1993. Sie ist auf einer USA-Reise und hat sich in New Orleans mit ihrem Freund, dem Straßenmusiker Alexander Masakela, im French Quarter einquartiert. Am 31. Dezember verlässt sie allein ihr Hotel – und wird danach nie mehr gesehen. Seit dem 6. Januar 1994 gilt das Mädchen offiziell als vermisst.

Die Ehe der Eltern zerbricht an diesem Ereignis. Romina glaubt, dass ihre Tochter entführt wurde, aber noch lebt. Sie sucht Ylenia über Fernsehshows, auch noch 2011 in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“, und spannt sogar Wahrsager ein. Die verzweifelte Spurensuche – mal wird Ylenia angeblich in der Dominikanischen Republik gesichtet, mal soll sie in einem Kloster in Arizona gesehen worden sein – ergibt nichts Konkretes.

Al Bano und Rominia trennen sich 1998, ein Jahr später ist die Scheidung, Ylenia bleibt verschwunden. Ihr Vater vermutet, dass sie Selbstmord im Mississippi begangen hat. Er geht sogar so weit, dass er behauptet, seine Tochter sei erst durch ihre Mutter drogensüchtig geworden: Romina habe, so berichtet „Bild“, „bereits zum Zeitpunkt des Kennenlernens regelmäßig Joints geraucht“. Sein Verdacht: Die Ex habe Ylenia mit Drogen in Kontakt gebracht. Und das nährt die Theorie des Sängers zum Verschwinden der Tochter: Er glaubt, die junge Frau habe sich „im Marihuanarausch“ ertränkt.

Romina Power erklärt in einer Talkshow im spanischen Fernsehen: „Ylenia hat ihren Vater abgelehnt, die beiden haben sich ständig gestritten… Sie sagte mir: ‚Du musst dich davonmachen, ich werde es eines Tages tun.'“ Al Bano sei „ein Diktator! Wenn er sich aufregte, begann er zu schreien. Einmal hat er mir sogar einen Tritt verpasst. Er war krankhaft eifersüchtig und führte sich auf wie ein Tyrann. Unsere Ehe war die Hölle.“

Dagegen beteuert Al Bano, er habe Romina – „Sie war die Frau meines Lebens“ – behandelt „wie eine Madonna“. Er sei der Überzeugung, dass „Drogen unsere Ehe zerstört haben.“  Die einst so harmonische Beziehung scheint also unrettbar vergiftet zu sein, und Tochter Ylenia wird zehn Jahre nach ihrem Verschwinden für tot erklärt.

Romina Power zieht sich weitgehend ins Privatleben zurück, wird Buddhistin, schreibt einen Roman und veröffentlicht 2012 das Solo-Album „Da Ionato“. Auch Al Bano strebt eine Solo-Karriere an, außerdem wird er Winzer auf dem Weingut seines Vaters. Er ist auch wieder liiert, mit der TV-Moderatorin Loredana Lecciso, mit der er zwei weitere Kinder bekommt. Und er schreibt seine Autobiografie „Es ist mein Leben“. Seine beiden Lebensgefährtinnen Romina und Loredana tauchen in dem Werk nicht auf. Für sie hat er lediglich zwei leere Seiten reserviert.

Dann – völlig überraschend – die Wiedervereinigung. Auf Initiative eines russischen Millionärs treten Romina und Al Bano im Oktober 2014 in Moskau wieder als Gesangs-Duo auf. Es folgen weitere Auftritte, zwar wird Al Bano 2016 durch zwei Herzinfarkte und eine Herz-OP gesundheitlich zurückgeworfen, doch er erholt sich schnell. Es kommt sogar zu einer Deutschland-Tour – und 2020 zum neuen Album „Raccogli l’attimo“. Mit dem Titelsong treten sie wieder beim Sanremo Festival auf.

Die Harmonie zwischen beiden scheint so groß, dass manche Medien auf ein erneutes Aufflammen von Liebe und „Felicità“ spekulieren. Dazu sagt sie: „Mit dem Alter sind wir milder geworden. Mir half auch die Tatsache, dass ich praktizierende Buddhistin bin. Das hat meinen Geist zum Positiven verändert.“

Das evangelische Magazin „chrismon“ hat beide gefragt, was sie heute unter ihrem so inbrünstig besungenen „Glück“ verstehen. Al Bano: „Felicità, das ist, wenn ich den Rand von deiner Pizza knabbern darf.“ Romina: „Felicità, das ist, wenn ich dir nachts auf dem Weg zum Klo begegne, weil du gerade von dort kommst.“

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