Der Wahlabend war das politische Großereignis des Jahres in Deutschland: Neben den Platzhirschen ARD und ZDF versuchten auch kleinere Fernsehsender zu punkten, darunter Bild TV. Doch denen droht nun Ungemach.

„Es geht um Deutschland! Wahl 2021“: So lautete der Titel der „Bild“-Live-Berichterstattung zur Bundestagswahl. Das Boulevardmedium berichtete seit dem frühen Sonntagmorgen auf der eigenen Website und im Free-TV.

Besonders spannend wurde es bei den neuen Sender des Axel-Springer-Konzerns aber erst – so wie bei den meisten Medienhäusern der Republik auch – ab 18 Uhr. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Wahllokale geschlossen, ARD und ZDF veröffentlichten die ersten Prognosen zum Wahlergebnis. Auch bei „Bild“ lief das ganz genauso – trotz eigener Sendungsoptik waren plötzlich Bilder der öffentlich-rechtlichen Sender zu sehen. 

Nutzer in den sozialen Medien drückten ihre Verwunderung aus und fragten sich, ob die Übernahme von fremden Sendermaterial rechtens ist – und von den Lizenzinhabern vorab genehmigt wurde.

„Die Übernahme ist ohne Absprache mit uns erfolgt“

Wie t-online erfuhr, gab es keine Genehmigung durch die ARD. „Wir haben keine Vereinbarung mit der ‚Bild'“, so der Sendersprecher Bernhard Möllmann auf Nachfrage. Weiter heißt es: „Die Übernahme ist ohne Absprache mit uns erfolgt.“ Nun werde im Hause der ARD beraten, ob rechtlich gegen die „Bild“ vorgegangen wird. „Wir behalten uns vor, das Vorgehen rechtlich zu prüfen“, so Möllmann.

Wie sich der Sachverhalt beim ZDF darstellt, ist noch unklar. Die „Bild“ hatte neben den Diagrammen zu den Ergebnisprognosen auch ein Interview mit SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil im Vollbild gezeigt. Der Sender aus Mainz hat eine Anfrage unbeantwortet gelassen. Auch das Springer-Medium selbst hat auf eine kurzfristige Bitte um Stellungnahme von t-online bisher nicht reagiert.

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Erstaunlich ist dieses Vorgehen vor allem auch deshalb, weil bei der „Bild“ zuletzt verstärkt gegen ARD und ZDF geschossen wurde. Immer wieder – insbesondere seit klar ist, dass „Bild“ mit einem eigenen Fernsehsender an den Start geht – wurde die angebliche Trägheit der Sender und die Programmgestaltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kritisiert.

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