Fast jeder in Deutschland kennt diese Stimme. Seit rund 50 Jahren leiht Volker Brandt als Synchronsprecher einem Hollywoodstar die Stimme. Er selbst feierte auch Erfolge vor der Kamera – zum Beispiel als “Tatort”-Kommissar. 

Am Sonntag (2. August) wird Volker Brandt 85 Jahre alt. Dass die große Geburtstagssause coronabedingt ausfallen muss, kann er leicht verschmerzen: Er will lediglich mit seiner Lebenspartnerin und Kollegin Susanne Meikl feiern. “Ich war nie ein großer Partyfreund – und will es wohl auch mit 85 nicht mehr werden”, sagt er der Deutschen Presse Agentur.

“Ich fühle mich wie immer” 

85 mag ein stolzes Alter sein. Für Volker Brandt ist es indes nur eine weitere Zahl: “Ich fühle mich wie immer”, sagt er, “mich plagen keine größeren Zipperlein, wofür ich sehr dankbar bin. Und so gedenke ich die Rolle des Greises in absehbarer Zeit noch nicht anzunehmen.”

Das hat er auch nicht nötig. Der Terminkalender des gebürtigen Leipzigers ist gut gefüllt: Neben einer “ganzen Menge Hörspielaufnahmen”, stünden im nächsten Jahr die Tournee des Theaterstücks “Der muss es sein” sowie – demnächst – die Synchronisation der dritten Staffel der Serie “Die Kominsky-Methode” auf dem Plan. Bei der US-Comedy synchronisiert er Michael Douglas.

Douglas und Brandt: Die Chemie stimmt 

Der Hollywood-Star ist sein treuester Stammkunde. Seit Douglas vor rund 50 Jahren mit dem TV-Hit “Die Straßen von San Francisco” zum Weltstar aufstieg, leiht Brandt dem zweifachen Oscar-Gewinner seine Stimme. “Die Chemie hat zwischen uns von Anfang an gestimmt”, sagt Brandt über Douglas, den er bei verschiedenen Filmpremieren bereits mehrfach persönlich getroffen habe. Bei einem dieser Treffen habe ihm der Schauspielstar ein äußerst nettes Kompliment gemacht: “Er hat mir gesagt, dass meine Stimme seiner Persönlichkeit mehr Charakter verleiht als seine eigene. Hollywood ist eben charmant”, so Brandt.

Es dürfte aber auch etwas dran sein. Douglas erinnerte sich in einem Interview der Funke Mediengruppe kürzlich an die Bambi-Verleihung 1976, seinen ersten Preis überhaupt. “Bei der Preisverleihung stand ich auf der Bühne, hielt meine Dankesrede und die Leute tuschelten: Was soll das, wer ist das, warum redet der so komisch? Meine deutsche Synchronstimme war viel tiefer als meine eigene. Und viel besser. Nach diesem kurzen Ausflug nach Deutschland habe ich ein intensives Stimmtraining begonnen und ein ganz neues Auftreten bekommen.”

Seine eigene Schauspielkarriere begann Brandt an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule, ein erstes Engagement führte ihn ans Deutsche Schauspielhaus nach Hamburg zu Gustaf Gründgens. Sechs Jahre blieb er in Hamburg, bevor es ihn in den 60er Jahren nach Frankfurt und 1970 ans Schillertheater in Berlin zog. Seit den 80er Jahren arbeitet Brandt als freischaffender Künstler und war unter anderem bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg zu sehen.

Der “Tatort”-Kommissar 

Zum Fernsehstar wurde Brandt als Dr. Schübel in der “Schwarzwaldklinik” (1986-1988) und als Berliner “Tatort”-Kommissar Friedrich Walther (1981-1985). In insgesamt sechs Filmen der “Tatort”-Reihe mimte er den Ermittler aus der Hauptstadt. Er und sein Kollege Ulrich Faulhaber wurden dann ab 1986 von den Schauspielern Heinz Drache und Jürgen Klickert abgelöst. 

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Brandt ist aber auch bei Kindern und Jugendlichen bestens bekannt. Der Grund: Seine Sprecherrollen bei vielen Hörspielen – unter denen sich Kinderzimmer-Hits wie “Die drei ???”, “Perry Rhodan” und “TKKG” finden. Ein Rezept, um selbst jung zu bleiben? “Es macht ja schon Freude, den eigenen Enkeln Märchen zu vermitteln. Umso mehr, wenn man seine schauspielerische Kreativität in Hörbüchern einem breiten Publikum lebendig machen kann”, meint der vierfache Vater und schickt hinterher: “Ich hoffe, ich werde noch lange dazu in der Lage sein.”

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