Berlin (dpa) – Menschen mit Behinderung werden im Berufsleben häufig unterschätzt. Sie haben mit Vorurteilen zu kämpfen. Wie sie damit umgehen, das erzählen drei Betroffene in der Reportage „Begnadet anders – Mit Handicap erfolgreich im Beruf“. Zu sehen ist das an diesem Dienstag um 22.15 Uhr im ZDF.

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Die Chancen für Behinderte auf dem ersten Arbeitsmarkt sind oft ziemlich bescheiden – doch es gibt sie. Claudia (39) aus Falkensee bei Berlin hat sie ergriffen – gerade weil sie genau weiß, was es bedeutet, ein Leben lang als leistungsschwach abgestempelt zu werden. Aufgrund einer Erbkrankheit ist sie im Laufe ihrer Jugend nach und nach fast völlig erblindet. Obwohl Claudia eine behindertengerechte Ausbildung zur Bürokraft absolviert hatte, gab es vom Jobcenter keinerlei Unterstützung für eine Weiterbildung für Blinde.

Doch dann erfuhr die alleinerziehende Mutter zweier Kinder von einer genialen Sache: Da blinde Frauen mit ihrem ausgeprägten Tastsinn kleinste Veränderungen im Brustgewebe identifizieren können, haben sie in der Krebsvorsorge eine sehr wertvolle Rolle. Nun hat sie ihren ersten festen Job als Medizinisch-Taktile Untersucherin (MTU).

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Andreas (27) aus der Nähe von Bonn fand nach seiner Ausbildung zum Schreinerhelfer zwei Jahre lang keine Arbeit. Für den übervorsichtigen Asperger-Autisten hat sich aber am Flughafen Köln-Bonn eine einmalige Chance ergeben: Als Luftsicherheitskontrollkraft muss er jede Nacht allein in einer Sortierhalle Tausende Pakete manuell auf Gefahrgut durchleuchten.

Für solche sicherheitsrelevanten Aufgaben hat Andreas ein besonderes Faible: So wie viele Autisten kann er Muster präzise erkennen, ohne in Routine zu verfallen. Absolute Gewissenhaftigkeit wird erwartet, wobei durchaus Selbstzweifel aufkommen, auch weil er sich selbst unter Druck setzt und alle Aufgaben zu 100 Prozent erfüllen möchte. Aufgrund eines Zahlendrehers fällt er prompt durch eine Prüfung.

Viele Jahre lang musste sich die gehörlose Camelia (52) als Putzkraft durchschlagen. In einer kleinen Düsseldorfer Tee-Manufaktur ist sie nun zur Teamleiterin aufgestiegen – hier arbeiten Hörende und Gehörlose zusammen. Der berufliche Erfolg gibt ihr und ihrem ebenfalls gehörlosen Sohn ordentlich Auftrieb, auch wenn sie des Öfteren auf nahezu unüberwindliche Kommunikationsbarrieren stoßen. Das gilt erst recht in diesen Zeiten, wo vielerorts noch das Tragen einer Maske hinzukommt, was das Lippen ablesen sehr erschwert.

Autor Sören Senn (51, „Game Over – Im Sog der Computerspielsucht“) legt ein sensibles Porträt dreier Menschen vor, die allesamt wahre Kämpfernaturen sind. Ihnen gelingt es auf geradezu bewundernswerte Weise, ihren schwierigen Alltag zu meistern.

Neben den drei Protagonisten kommen auch ihre durchweg verständnisvollen Chefs und Ausbilder zu Wort, die eine vorbildhafte Funktion ausüben. Ihnen ist nämlich klar, dass sich behinderte Menschen aufgrund geschärfter Sinne und einer höheren Konzentrationsfähigkeit oft wesentlich intensiver einsetzen lassen – und nicht zuletzt dadurch ihren nicht-behinderten Kollegen überlegen sind. Anders gesagt: Wenn ein bestimmter Sinn nicht vorhanden ist, dann sind die anderen Sinne dafür umso stärker.

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