Sie zählt in jungen Jahren schon zu den größten Stars Hollywoods, doch der rasante Aufstieg brachte für Jennifer Lawrence auch Schattenseiten mit sich. Ein Gespräch über frühen Ruhm und späte Reue.

Mit gerade einmal 30 Jahren hat sie erreicht, wovon viele ihrer Kollegen ein Leben lang träumen: Jennifer Lawrence ergatterte Hauptrollen in gleich zwei Blockbusterreihen, wurde mit den begehrtesten Filmpreisen überhäuft und zur bestverdienenden Schauspielerin der Welt gekürt – und das alles in Rekordzeit.

Mit 21 wurde die Amerikanerin für ihre Darbietung in “Winter’s Bone” zum ersten Mal als Beste Hauptdarstellerin für einen Oscar nominiert, zwei Jahre später nahm sie den Preis in derselben Kategorie für “Silver Linings” mit nach Hause. Dazwischen wurde sie als Katniss Everdeen mit “Die Tribute von Panem” weltberühmt und trat zum ersten Mal in den “X-Men”-Filmen auf, von denen sie bis heute Teil ist.

Jennifer Lawrence spielt seit 2011 die Rolle der Mutantin Mystique in den “X-Men”-Filmen, die aktuell bei Sky zu sehen sind. (Quelle: IMAGO / ZUMA Wire)

“Ich fühlte mich noch nicht bereit”

Der kometenhafte Aufstieg innerhalb kürzester Zeit war auch für Jennifer Lawrence selbst überwältigend – allerdings nicht nur im positiven Sinne. “Ich hatte keine Ahnung, wie ich mit dem Ruhm umgehen, wie ich mich benehmen oder was ich sagen soll”, blickt die Schauspielerin im Gespräch mit t-online zurück. “Ich kann mich noch genau an die erste Award-Saison erinnern. Ich wurde in Kleider gesteckt, in denen ich mich nicht wiedererkannte, geschminkt, frisiert. Ich habe mich unwohl und fremd gefühlt, wie eine Puppe.”

Vor allem die plötzliche Aufmerksamkeit machte ihr zu schaffen. “Auf einmal gehen alle Blicke auf dich und alle hängen an deinen Lippen. Damals dachte ich mir nur: Hört nicht auf mich. Ich war zu jung und fühlte mich dafür noch nicht bereit. Ich wünschte, ich hätte mich ein bisschen mehr davor schützen können.” Unter ständiger Beobachtung zu stehen, belaste die 30-Jährige auch heute noch sehr. “Kurz bevor ein Film anläuft, ist es besonders schlimm und ich denke mir oft: So kann ich nicht leben. Dann ist es schwer, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen und ich würde am liebsten weglaufen.”

Stattdessen habe sie eine andere Methode entwickelt, damit umzugehen. “Ich verlasse mein Haus nicht”, lacht die Schauspielerin im Gespräch, erklärt dann aber ganz ernst: “Ich gehe tatsächlich nicht in den Supermarkt, damit mir niemand zurück nach Hause folgen kann. Und ich gehe auch selten aus. Entweder besuchen mich meine Freunde oder ich besuche sie.” Schon vor der Pandemie sei es manchmal so gewesen, “als ob ich Hausarrest hätte. Aber privat zu sein ist die einzige Möglichkeit, sich zu schützen”, so Jennifer Lawrence.

“Ich war ein Feigling” 

Trotz allem liebe sie ihren Beruf und sei dankbar für ihren Erfolg. “Ich wäre nicht glücklich, wenn ich auf einmal nicht mehr schauspielern könnte. Deswegen stecke ich die negativen Seiten weg”, betont die Amerikanerin. Vor allem weil sie ihr auch wichtige Lektionen mit auf den Weg gegeben haben. “Früher wollte ich immer gemocht werden. Meine größte Schwäche war, nicht für mich selbst einzustehen und mich durchzusetzen. Ich war ein Feigling und das bereue ich heute”, offenbart Jennifer Lawrence.

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Doch sie habe gelernt, ihre Stimme zu nutzen. Als eine der Ersten unter ihren Kolleginnen machte sie sich öffentlich für die gleichwertige Bezahlung von Männern und Frauen in der Branche stark, setzte sich im Rahmen der #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Übergriffe ein und legte sich trotz jahrelanger Social-Media-Abstinenz vor Kurzem einen Twitteraccount zu, um als Mitglied der Organisation “Represent Us” auf Missstände in den USA, wie Rassismus, Polizeigewalt oder korrupte Politik, aufmerksam zu machen.

“Es ist hart, für sich selbst zu sprechen und einfacher, anderen zu folgen. Doch es ist wichtig, dass junge Mädchen wissen: Du musst Dinge einfordern, auch wenn die Leute das nicht mögen. Sei einzigartig, denke für dich selbst und lass nicht andere deine Entscheidung treffen”, so Jennifer Lawrence.

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