Michael Kessler (53) ist in der neuen Parodie- und Comedyshow “Binge Reloaded” zu sehen (ab 4. Dezember 2020 bei Amazon Prime Video verfügbar). In der Neuauflage von “Switch reloaded” (2007-2012) feiert der Schauspieler unter anderem ein Comeback als Florian Silbereisen (39). Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät Kessler, wie sich sein Vorbild seit seiner letzten Parodie verändert hat und was der Schlagerstar zu seiner Darstellung sagt. Zudem erklärt der 53-Jährige, was für ihn die schlimmste Unterhaltungsshow im deutschen TV ist und welche Serie er “binge-watched”.

Acht Jahre nach “Switch reloaded” gibt es eine Neuauflage. Worauf haben Sie sich am meisten gefreut?

Michael Kessler: Am meisten habe ich mich darauf gefreut, dass wir endlich wieder das Fernsehen durch den Kakao ziehen. Die Politiker bekommen seit vielen Jahren durch die “heute-show” und “Extra 3” ihr Fett weg. Aber seit es “Switch” nicht mehr gibt, bleiben das Fernsehen und seine Stars verschont. Es wurde höchste Zeit für ein Comeback.

Hat die Rückkehr Ihren Erwartungen entsprochen?

Kessler: Absolut. Es sind viele neue Kollegen dabei, die hervorragend sind und tolle Arbeit leisten. Dadurch sind natürlich auch ganz viele neue Figuren entstanden. Wir widmen uns nicht mehr nur dem deutschen Fernsehen, sondern auch den Streamingdiensten und internationalen Produktionen wie “Haus des Geldes” oder “The Handmaid’s Tale”. Die Maske hat nochmal eine große Schippe draufgelegt. Sie ist viel aufwendiger als bei “Switch reloaded”. Das sieht man dem Produkt dann auch an und ich glaube, die Menschen werden viel Spaß haben.

Hatten Sie Angst davor eine Neuauflage zu wagen, bei so einem erfolgreichen Vorgänger?

Kessler: Auf jeden Fall. Ich hatte Bedenken und mir war bewusst, dass wenn wir das machen, wir noch besser sein müssen als damals, weil die Leute es vergleichen werden. Ich weiß natürlich nicht, wie die Zuschauer es finden werden. Aber ich kann für mich sagen, dass ein super Weg gelungen ist und sich die Neuauflage durchaus messen kann mit “Switch reloaded”.

Unter anderem verkörpern sie wieder Florian Silbereisen, er sieht heute allerdings etwas anders aus…

Kessler: Seit ich ihn das letzte Mal parodiert habe, hat er sich schon sehr verändert. Er ist ruhiger geworden, zieht sich besser an als früher, färbt sich die Haare nicht mehr, geht in die Muckibude und lässt sich tätowieren. Auch hat er sich ein interessantes Timbre angeeignet und ist jetzt als Schauspieler auf dem “Traumschiff” unterwegs. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Es war eine ganz neue Erarbeitung der Figur und das ist das Spannende an meinem Beruf. Dass man sich mit dem Vorbild verändern muss.

Auf was haben Sie besonders geachtet?

Kessler: Ich scanne die Leute natürlich komplett. Ich gucke mir wahnsinnig viel an und dann fallen mir Sachen auf, wie bei Silbereisen das rollende “r” und der bayerische Dialekt. Von der Stimmfarbe her klingt er immer ein bisschen wie ein Synchronsprecher. Dann kommen die Mimik und Gestik und die Maske dazu, da gucken wir wirklich ganz genau hin – wo trägt er den Ring, welche Uhr hat er an, welche Schuhe trägt er.

Konnten Sie schon einmal mit ihm über Ihre Parodie sprechen?

Kessler: Das ist lange her. Wir waren zu “Switch reloaded”-Zeiten mal gemeinsam bei Johannes B. Kerner in der Talkshow, da meinte er, dass er das ganz lustig findet. Aber wie die parodierten Leute wirklich darüber denken, können wir nie wirklich sagen. Es ist uns aber auch egal. Darum geht es nicht. Wir wollen niemandem nach dem Mund reden. Es kann auch schon manchmal ein bisschen wehtun oder kratzen, was wir da tun.

In “Switch reloaded” haben Sie auch Günther Jauch parodiert. Hätten Sie sich auch da ein Comeback gewünscht?

Kessler: Ja, wobei ich auch immer die neuen Herausforderungen suche und gerne eine neue Figur mir draufschaffe. Bei jemandem wie Günther Jauch geht es darum, was er inzwischen so treibt. Wir haben damals schon sehr viel “Wer wird Millionär?”-Sketche gedreht und haben ihn in seiner ARD-Talkshow gezeigt. Für eine Figur, die der Zuschauer schon so oft gesehen hat, muss man erst einmal eine gute Idee haben für weitere Gags. Das war bei ihm im Moment nicht der Fall. Aber das soll nicht heißen, dass er nicht wiederkommt.

Die Parodien-Landschaft ist in Deutschland eher klein. Woran liegt das?

Kessler: Es ist ein sehr schwieriges Genre, das nur wenige Kollegen beherrschen. “Switch” war die Parodie-Sendung Nummer eins in Deutschland, die immer wieder pausierte. Die Pausen sind auch wichtig, weil man warten muss, bis wieder neue Sendungen und Stars auftauchen, sonst drehen wir uns im Kreis. Jetzt gibt es wieder ein großes Fass, aus dem wir schöpfen können.

Was ist für Sie die derzeit schlimmste Unterhaltungsshow im deutschen TV?

Kessler: Bei “Sommerhaus der Stars” ist bei mir Feierabend. Ich finde schon, dass Fernsehen eine gewisse Verantwortung hat, in dem was es da tut und was es zeigt. Bei manchen Formaten vermisse ich, dass jemand mal sagt, das geht so nicht oder sowas möchten wir gar nicht vermitteln, wie die Menschen da miteinander umgehen. Zoff und Gezanke sind auch altmodisch, das kennen wir noch aus den Talkshows in den 80er und 90er Jahren, wo sich Menschen nur noch angeschrien haben. Das ist nicht meine Art von Fernsehen. Abseits davon haben Streamingdienste in der Branche sehr viel ausgelöst. Man denkt wieder über Qualität nach, über neue Dinge, wie Fernsehen aussehen kann. Und auch unser öffentlich-rechtliches Fernsehen macht tolle Serien und Fernsehfilme, da bin sofort dabei und sitze begeistert vor dem Fernseher.

Sind Sie denn ein ein klassischer “Binge-Watcher”?

Kessler: Ja, früher noch extremer, da war eine Staffel am Wochenende schnell geschafft. Wenn ich heute eine Serie gucke, die mich fasziniert, gucke ich die auch relativ schnell und pro Tag mehrere Folgen. Zum Beispiel gerade aktuell “The Crown”. Das ist für mich fantastisches Fernsehen.

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