Nach 15 Jahren ist Schluss. Die Erfolgsserie “Pastewka” mit Bastian Pastewka in der Titelrolle ist Geschichte. Derzeit läuft die zehnte und damit letzte Staffel auf Amazon Prime. Doch wie viel aus der Serienfigur steckt in Bastian Pastewka? Ein Versuch einer Annäherung im Interview.

15 Jahre “Pastewka” und die Fans sind Ihnen nach wie vor treu. Warum hören Sie trotzdem auf?

Bastian Pastewka: Wir haben vor Beginn der Produktion entschieden, dass unsere zehnte “Pastewka”-Staffel die letzte sein wird. Es waren alle vorher eingeweiht. Mein Autorenkollege Sascha Albrecht hatte nämlich eine tolle Idee für das Finale. Da war die Entscheidung klar: Das ist es jetzt. Dass es nur 99 Folgen sind und nicht 100, passt super zum Geist der Serie, weil der ewige Tölpel Bastian das große Ziel ja sonst auch nicht erreicht.

Aber der andere Bastian hätte das Ziel erreicht?

Er würde vielleicht nochmal nachhaken und zumindest Agentin Regine anrufen und fragen: Kannst du bitte doch die 100. Folge klarmachen? Hat sie aber eigentlich auch, denn es gibt nach der 99. noch eine Sonderfolge.

Sind Sie auch ein bisschen aus der Rolle des Pastewka rausgewachsen?

In keiner Sekunde. Es ist ja fast andersrum, es ist immer schlimmer geworden. Auch ich als Privatperson bin genervt, wenn der Fernseher ausfällt oder kein Internetempfang vorhanden ist. Den Starrsinn der Serienfigur Pastewka kenne ich auch von mir und der hat sich über die Jahre weiter verstärkt, weil ich älter geworden bin.

Wenn man älter wird, ist es nicht so, dass man wie ein Anfang 20-jähriger alles mitmacht, ohne darauf zu achten, ob es eine gute oder schlechte Idee ist. Mit knapp 50 muss ich feststellen, dass ich zwar die eine oder andere Situation entspannt angehen könnte, aber im Gegenteil immer hibbeliger werde. Ich setze mich selber unter einen anderen Erwartungsdruck. Ich muss versuchen, das in den nächsten Jahre abzulegen. Ich fürchte aber, das wird mir nicht gelingen.

Was unterscheidet die beiden Pastewkas grundlegend?

Ich gestehe, ich fahre keinen roten Saab und mein Klingelton ist nicht so extravagant, nämlich nicht der aus der Serie “24”. Hin und wieder jedoch habe ich im wahren Leben so einen typischen Pastewka-Serientag. Da bricht mir morgens der Schlüssel ab, es gibt Probleme mit dem Postboten, weil er nur den Zettel einwirft und das Paket nicht hochbringt, der Wagen streikt und ich treffe in der Stadt zufällig Kollegen aus dem Fernsehen, die mich auf dem Weg zum Schlüsseldienst aufhalten und so weiter. Solche Katastrophenkaskaden passieren mir persönlich zweimal im Jahr. In “Pastewka” Folge für Folge.

Pastewka schreibt in der Serie ein Buch. Schreiben Sie auch eines?

Ich glaube, dass der Buchmarkt sicher nicht auf ein Bastian-Pastewka-Buch wartet. Ich werde eher Rockmusiker als Autor. Biografien machen sich oft der Schönfärberei verdächtig. Und ich lese keine Romane und kann daher auch keinen schreiben.

Auch in dieser Staffel ist “Pastewka” erstaunlich aktuell. Selbst Gwyneth Paltrows neuestes Verkaufsprodukt wird angesprochen …

Wir haben immer versucht, mit der jeweils nächsten Staffel auch das jeweilige Entstehungsjahr abzubilden. Sowohl, was den Kölner Medienbetrieb angeht, als auch die Glühbirnenumstellung, den Fortschritt der veganen Ernährung oder die Impflicht.

Gleich in der zweiten neuen Folge geht es um Banales wie die seltsame Parfum-Kollektion von Gwyneth Paltrow. Das war vor zwei Jahren ein Thema und jetzt hören wir, dass sie dieses Jahr noch Kerzen mit ihrem Vaginalduft herausbringt. Nichts interessiert mich weniger, aber wie schön, dass wir sozusagen aus Versehen von der Aktualität eingeholt wurden.

Wir haben aber auch sehr bewusst Themen ausgeschlossen. Wir haben keine Gags über Angela Merkels Frisur gemacht oder den neuesten skandalösen Tweet von Donald Trump. Das ist nicht unser Beritt.

Hat man einen gewissen Druck, dass man bestimmte Themen ansprechen muss – oder ist man davon frei?

Wir haben eher versucht, den Charakter Bastian dadurch zu definieren, dass er seine Themen ungefragt unter die Leute bringt. Beispielsweise wenn Bastian seinem alten Nachbarn Herrn Albrecht in der zweiten Staffel ausführlich erklärt, warum die fünfte Staffel der Serie “Babylon 5” nicht mehr so toll ist wie die vierte.

Das haben wir nicht gemacht, um dem Publikum zu erklären, dass die fünfte Staffel von Babylon nicht mehr so toll ist wie die vierte, sondern um zu zeigen: Was ist das für ein Idiot! Der erkennt nicht, dass er mit seinen blöden Raumschiff-Geschichten bei älteren Menschen nicht ankommt. Er ist ein Blödmann von nebenan, manchmal auch eine Reizfigur, manchmal auch ein Sympathikus, und je mehr das wechselt, desto eher bleibt die Figur interessant.

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