Sebastian Pufpaff scherzt über Markus Lanz, den geschassten „Fummel-Onkel“ der „Bild“ Julian Reichelt und über Florian Silbereisen. Alles über den gelungenen Auftakt einer alten, neuen Show, in der man den Atem Stefan Raabs spüren konnte.

Groß war die Skepsis, als es hieß, „TV total“ kehre auf die Bildschirme zurück. Alles ist so wie bei der letzten Sendung vor sechs Jahren: Der Schreibtisch fährt hin und her und sogar das berühmte „Nippelboard“ ist wieder da. Nur statt Stefan Raab klopft jetzt Sebastian Pufpaff die Sprüche, die sich in der Auftaktshow irgendwo zwischen gut und seichtem Pennälerhumor bewegen.

Man gibt sich selbstbewusst, ganz so, als habe die TV-Welt in den vergangenen Jahren nichts anderes gemacht, als nach der Rückkehr von „TV total“ zu lechzen. Der neue Mann nach Raab wirkt anfangs verständlicherweise etwas steif und die Gags einstudiert, taut im Laufe der Show aber auf.

Gemeinsam schauen wir auf das TV-Comeback des Jahres „Wetten, dass..?“, Pufpaff scherzt über den Konkurrenzsender RTL genauso wie über die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und viele Persönlichkeiten kriegen teils herrlich ironisch, teils vollkommen drüber, ihr Fett weg: Thomas Gottschalk für seine Frisur, Markus Lanz für sein Namedropping, das er im gemeinsamen Podcast mit Richard David Precht an den Tag legt, und schließlich wird eine „ADHS-Oma aus dem ‚Fernsehgarten'“ durch den Kakao gezogen.

„Der dicke Harry Potter“ und Bild TV

Das kann man alles gut finden, schließlich ist Humor, wenn man trotzdem lacht. Man merkt es Pufpaff und der Show an, dass Raab im Hintergrund agiert. Aber wie sagte schon Rudi Carrell: „Witze kann man nur dann aus dem Ärmel schütteln, wenn man sie vorher hineingesteckt hat.“ So manche Gag-Salven landen vortrefflich, andere sind Rohrkrepierer, etwa der Vergleich von Florian Silbereisens Rufen ins Publikum mit einer Rede von Hitlers Reichspropagandaleiter Goebbels.

Das Publikum wirkt teils wie gut trainiertes Klatschvolk und applaudiert vermutlich auch, wenn irgendwo ein Licht angeht. Pufpaff groovt sich in seine neue Rolle als Raab-Nachfolger so langsam ein und erinnert dabei ein wenig an einen anfangs scheuen Disco-Tänzer, der nach kurzer Aufwärmphase ungefähr so überzeugt wie Ben Stiller in: „… und dann kam Polly“.

Sebastian Pufpaff: Er ist der Nachfolger von Stefan Raab. (Quelle: Henning Kaiser/dpa)

Einen süffisanten Coup landet der Neue mit seiner Lästerei über Bild TV und dessen unlängst geschassten „Fummel-Onkel“ Julian Reichelt. Wir sehen Bilder vom jetzt schon legendär lächerlichen Abschied, bei dem sich „der dicke Harry Potter“ Paul Ronzheimer in einer theatralischen Tirade bei seinem Ex-Chef bedankt. Das Ganze mutet in etwa so an, als sei dieser nicht rausgeflogen, sondern habe das Zeitliche gesegnet. Man beweihräuchert sich etwas zu viel selbst, aber das ist schon okay. Denn Bescheidenheit im TV-Geschäft, das scheint heutzutage nicht mehr zu funktionieren.

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Pufpaff in Raabs großen Fußstapfen

Und so versucht Pufpaff herrlich blasiert auch die Proben von „Wetten, dass..?“ zu infiltrieren und gibt sich als ZDF-Mitarbeiter aus. Fast hätte er es auf das berühmte Sofa geschafft – er wurde in letzter Minute gestoppt. Der Auftakt, den man als gelungen bezeichnen kann, ist jedoch einer, in dem sehr viel von Raab und noch sehr wenig von Pufpaff mitschwingt – verständlich, denn der 45-jährige neue Gastgeber tritt in große Fußstapfen. Raab gilt als TV-Multitalent. Dass aber auch er sich verzetteln kann, sah man unlängst an seinem Versuch, King Knossi als Late-Night-Moderator zu etablieren. Nach nur wenigen Folgen wurde das Format „Täglich frisch geröstet“ gleichermaßen geröstet.

Es scheint, als ringen die TV-Macher derzeit dringend um neue Ideen, um den Zuschauer nicht weiter an die Streamingdienste zu verlieren. Und weil es so schwer zu sein scheint, neue, gute Sachen zu entwickeln, die beim Publikum auch ankommen, greift man eben auf alte Erfolge zurück. Das alte, neue „TV total“ soll ab sofort jeden Mittwoch zu sehen sein.

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