Während der Sommerpause zeigt das Erste gewöhnlich Wiederholungen älterer “Tatort”-Folgen. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Krimireihe darf in diesem Jahr das Publikum jede Woche entscheiden, was gezeigt wird. Zum zweiten Mal gewann eine Folge aus Münster. Fünf Fragen zum “Tatort: Schwanensee” und der Wahl.

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Während der Sommerpause zeigt das Erste gewöhnlich Wiederholungen älterer “Tatort”-Folgen. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Krimireihe darf in diesem Jahr das Publikum jede Woche aus einer Liste von 50 Folgen aus 20 Jahren per Online-Wahl entscheiden, was gezeigt wird.

Wir schließen uns den Festlichkeiten an und feiern den Sieger mit fünf frohen Ferienfragen. Diese Woche gewann erneut ein “Tatort” aus Münster: “Schwanensee”.

Wie lautet das Abstimmungsergebnis?

Das ist ein großes Geheimnis. Im Wunsch-“Tatort” der Woche ermitteln Kommissar Frank Thiel und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne den Mord an der geheimnisvollen Mona Lux, die mit Gewichten beschwert am Boden des Swimmingpools im Therapiezentrum “Haus Schwanensee” gefunden wird.

Boerne übernimmt eine Urlaubsvertretung als Hobby-Therapeut, um die Hausbewohner zu befragen.

Einer von ihnen ist Andreas Kullmann, ein Autist mit außerordentlichen mathematischen Fähigkeiten.
Anders als bei den ersten zwei Votings veröffentlichte das Erste dieses Mal aber keine Zahlen und wollte oder konnte – zumindest am Wochenende – auch nicht sagen, warum. Vielleicht gab es wie in der Woche zuvor, als auch ein Münsteraner “Tatort” gewann, wieder Manipulationsversuche.

Oder das Interesse lässt nach, und es haben nur die ARD-Intendanten, ihre Familien und Freunde aus dem Rotary-Club abgestimmt.

Behelfen wir uns mit anderen Zahlen: “Schwanensee” ist der 28. Fall von Thiel & Boerne. Laut tatort-fundus.de sahen bei der Erstausstrahlung am 8. November 2015 rund 13,63 Millionen Menschen zu.

Dank des “Tatort”-Quizzes, das der Sender damals bereitstellte, wissen wir außerdem, dass Kullmanns schicke Wecker-App jeden Tag um 7:14 Uhr klingelt und Boerne und Thiels Vater im Taxi mit einer Geschwindigkeit von 76 Kilometern pro Stunde geblitzt werden.

Und von Kullmann erfahren wir, dass der Kreis auf Thiels St.-Pauli-T-Shirt 65.537 Ecken hat und Boerne 583 Tage und sieben Stunden bräuchte, um bei einer Geschwindigkeit von fünf Kilometern pro Stunde, acht Stunden Schlaf pro Tag und einem Tag Pause pro Woche die Erde zu umrunden.

Der Brite Robert Garside, der 48.000 Kilometer der Welt joggend durchquerte und dafür 2007 einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde bekam, brauchte dafür übrigens fünf Jahre und acht Monate.

Gibt es so ein Therapiezentrum wie das “Haus Schwanensee” wirklich?

Sicher. Im wirklichen Leben heißen diese pastellfarbenen Etablissements “Bergkristall”, “Ermitage” oder “Chasa Montana”, liegen an bayerischen Seen oder in den Schweizer Alpen und sind Wellnesshotels beziehungsweise “Wohlfühloasen”. Jeder kann dort ein Zimmer buchen, auch die Autisten und Zwangsneurotiker, die es sich im Haus Schwanensee” gemütlich gemacht haben.

Das so genannte Therapiezentrum dient im “Tatort” vor allem für die putzige Prise Psychose, mit der das Fernsehen gerne seine Primetime aufpeppt.

Dazu werden funktionale Autisten mit Inselbegabung (wie eben das Mathegenie Andreas) zum Staunen aufgefahren, oder Zwangsneurotiker ohne soziale Umgangsformen (wie der unflätige Heinz), über die gelacht werden darf.

Warum trägt Professor Weimar eine kaputte Lesebrille um den Hals?

Die Brille ist natürlich nicht kaputt, sondern ihre Befestigung um den Hals herum nur ein Versuch, sie nicht zu verlieren.

Dem Problem widmen sich Industriezweige und Kunsthandwerker gleichermaßen. Der Bedarf ist groß. Anders als eine reguläre Brille braucht man sie nicht immer, aber wenn man sie braucht, dann unbedingt und sofort.

Weshalb eine verlegte Lesebrille noch nervenaufreibender ist als ein Schlüssel. Für den gibt es inzwischen kleine Funksender, die sich auch an Portemonnaies, Wellensittiche oder Kleinkinder kleben lassen. Per App wird ein Piepston ausgelöst, und das Verlorene kann geortet werden.

Für die Lesebrille sind die meisten Sender allerdings noch nicht winzig genug – es sei denn, man will neben der Schläfe ein daumennagelgroßes Plättchen vom Bügel baumeln haben.

Professor Weimar benutzt seinem zweilichten Charakter entsprechend die ästhetisch ebenfalls sehr fragwürdige Methode des Magnetverschlusses: Sobald die beiden Hälften über der Nase zusammengefügt werden, schnappt er zu, und die Brille sitzt. Schlimmer sind nur Brillenetuis für den Gürtel.

Alternativ könnte er die Brille natürlich im Ganzen an einer normalen Kette um den Hals baumeln lassen. Auf den einschlägigen Bastelseiten im Netz kann man sich außerdem Clips bestellen, die wie Broschen aussehen und mit denen man sich die Lesebrille an die Kleidung stecken kann.

Brillenhersteller warnen übrigens davor, sie sich einfach hoch ins Haar zu schieben, das leiere die Bügel aus. Sich das Stück in den Ausschnitt zu stecken, sei besser.

Und was ist mit dem verliebten Schwan?

Boerne rettet in “Schwanensee” ein Leben, indem er die rührende Geschichte eines schwarzen Schwans erzählt, der sich in ein Tretboot verliebt hat.

Diesen Schwan gibt es wirklich, er heißt Petra und ist eine Schwänin der Gattung Trauerschwan. Im Frühjahr 2006 verliebte sie sich auf dem Münsteraner Aasee in genau so ein Tretboot in Schwanenform, wie es Thiel und Boerne im “Tatort” besteigen.

Das Paar wurde zu einer touristischen Goldgrube für Münster und inspirierte Bücher, Spiele und eine CD. Die Beziehung hielt allerdings nur zwei Sommer lang und ist damit nicht ganz so romantisch wie von Boerne angedeutet.

Auch von der viel beschworenen Treue unter Schwänen, die sich für gewöhnlich fürs Leben paaren, hält Petra offenbar nichts: Kurz nach dem Umzug ins Winterquartier, den Zoo Münster, gab Petra im Dezember 2007 dem Werben eines jungen weißen Höckerschwans nach. Und an Neujahr 2009 tauchte sie völlig ausgemergelt im 50 Kilometer entfernten Osnabrück auf. In der dortigen Vogelstation freundete sie sich mit einem schwarzen Artgenossen an. Der allerdings scheint ihr Schwan fürs Leben zu sein – die beiden haben inzwischen Nachwuchs.

Welche “Tatort”-Folge gewinnt als nächste?

Jedenfalls kein “Tatort” aus Münster. Denn es steht keiner mehr zur Auswahl. Zur Liste aus ursprünglich 50 Folgen kam es folgendermaßen: Alle “Tatorte” der letzten 20 Jahre wurden berücksichtigt und die nach Sehbeteiligung erfolgreichsten der einzelnen Sendeanstalten ausgewählt.

Sie mussten außerdem in die Mediathek einstellbar sein, das heißt, die Sender müssen die Streamingrechte besitzen. Man habe aus dem Voting kein “‘Tatort’-Museum machen wollen”, so das Erste.

Für die Fans, die lieber ältere Folgen sehen wollen, wurde Freitagnacht die Sommerreihe “Tatort-Klassiker” eingerichtet. Tatsächlich dreht sich die Diskussion in den sozialen Netzwerken – abseits der Pro-und-Contra-Münster-Debatte – bisher vor allem darum, warum keine älteren Folgen zur Wahl stünden.

So groß kann der Bedarf allerdings nicht sein: Mit dem Hamburger “Tatort: Habgier” sowie “Bienzle und die blinde Wut” aus Stuttgart wurden zwei Ausnahmen gemacht, die sogar von 1999 stammen. Und keiner der beiden schaffte es bislang zum Sieger. Dabei ermittelten damals Manfred Krug und Charles Brauer in Hamburg, das “Tatort”-Dream-Team des 20. Jahrhunderts, und der damalige Bundestrainer Berti Vogts hat einen Gastauftritt.

Münster-"Tatort": Die besten Sprüche von Professor Boerne

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